MilitärobjekteRheinland-Pfalz

Depot für Atomwaffen

2 Min. Lesezeit
Bild: Ehemaliges Wachgebäude der Area 1 © Hohi0001 / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Ein ehemaliges Wachgebäude der Area One in der Südwestpfalz

Jedoch: lagerten hier jemals Atomraketen? Die Frage wird seit Jahrzehnten diskutiert. Das Depot in der Südwestpfalz ist seit 1994 zugänglich. Dank einer Interessengemeinschaft kann es in aller Sicherheit besichtigt werden.

Wir müssen vermuten, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika noch Jahrzehnte keine Antwort geben wird. Für die meisten Anwohner, für die Teilnehmer an Demonstrationen gegen Atomraketen in den 80er Jahren und für historisch Interessierte steht fest, dass bei Fischbach bei Dahn im Pfälzer Wald Atomraketen lagerten.

Das Areal umfasst 680 Hektar. Darauf stehen 200 Gebäude, davon 96 Munitionslagerhäuser. 44 Kilometer Straßen überziehen das Gelände. Die Interessengemeinschaft Area One e.V. gibt weitere Details an. Niemand kann davon ausgehen, dass diese Anlagen zwischen 1955 und 1994 ungenutzt blieben.

Auf dem Dorfplatz von Ludwigswinkel beginnt der Rundwanderweg, der eineinhalb Kilometer lang ist. Ludwigswinkel gehört zur Gemeinde Fischbach, es liegt etwa zwei Kilometer westlich. Besucher folgen dem ausgeschilderten Weg und gelangen zum denkmalgeschützten Atomwaffenlager Area 1. 13 Informationstafeln geben Informationen in drei Sprachen.

Die Interessengemeinschaft hat sich im Jahr 2009 gebildet, um sowohl engagiert und kritisch als auch sachlich zu den Debatten beitragen zu können. Seit 2012 tagt ein Runder Tisch, und seit 2014 werden öffentliche Führungen durchgeführt. Sie können telefonisch vereinbart werden.

Die US Army hatte das Gelände nach dem Krieg beschlagnahmt. Von 1956 an bis 1991 gab es Bauarbeiten und Umbauarbeiten. In 1968 wurde das Gelände zur militärischen Sicherheitszone erklärt. Besonders im Laufe der 80er Jahre veranstalteten Demonstranten Sitzblockaden, die durch die Presse gingen. Sie wehrten sich dagegen, dass hier die Raketen Pershing II und die Marschflugkörper Cruise Missiles stationiert würden. Diese können atomare Sprengköpfe tragen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges in Europa ging das Gelände in bundesdeutsche Verwaltung über. Am 28. Januar 1994 wurde es geöffnet, besenrein sozusagen. Der Sicherheitsstatus war aufgehoben. Die Interessengemeinschaft unterhält eine Ausstellung. Alles, was erwiesen ist, wird in den historischen Zusammenhang eingeordnet. Rundgang und Ausstellung können in knapp zwei Stunden absolviert werden. Die Besucher erlangen dabei sichere Erkenntnisse und können Einschätzungen selber treffen.

Im Anschluss können sie im friedlichen Walde wandern. Am Biosphärenhaus in Fischbach gibt es einen Baumwipfelpfad. In 18 Meter Höhe übersieht man den Pfälzer Wald und die kleinen Berge, die sich über die hügelige Landschaft erheben. Natürlich ist das Atomwaffendepot von hier aus nicht zu sehen. Es sollte nicht zu sehen sein und es ist nicht zu sehen. Doch man kann sich vorstellen, wie es dort lag und … nun ja, betrieben worden war. 

Nun aber geht es wirklich in die Natur! An einem Bach ist ein Wasserlehrpfad angelegt. Flora und Fauna dieser Habitate an bewegten Gewässern werden genau beschrieben. Mit Geduld können sie auch beobachtet werden. Der Wasserlehrpfad ist am südlichen Ausgang von Fischbach zu finden. Weitere Bäche durchziehen den Wald, die Sauter, der Diehlbach. Es gibt Weiher und Wooge, also stehende Gewässer. Wanderwege und ein Weg für E-Biker mit elektrischen Ladestationen führen um Fischbach herum und hinweg.

Hinweise

  • Kontakt: Schulstraße 29  66994 Dahn Tel.  06391 9196222
  • Nebenziel: Interessengemeinschaft Area One e.V.  Albert-Siebel-Str. 9  66955 Pirmasens (www.ig-area-one.de) Tel. 06331 47545
  • Barrierefreiheit gegeben
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