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SEKT UND HEISSE QUELLEN IN WIESBADEN

3 Min. Lesezeit
Bild: Wiesbaden-Theater0138 © Pedelecs - ich selbst / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das beeindruckende Staatstheater in Wiesbaden bei Nacht. Heisse Quellen sind nicht weit entfernt

Die hessische Landeshauptstadt liegt am Fuße bewaldeter Taunushöhen und erstreckt sich mit ihren Vororten bis zum Rhein. Über 20 Thermalquellen, das milde Klima und die reizvolle Umgebung machen die Stadt zu einem beliebten Kurort.Das Fünf-Sparten Theater ist traditionsreich und innovativ. Jedes Jahr finden die Internationalen Maifestspiele statt.

Der große russische Schriftsteller Dostojewski versuchte 1863 in der Spielbank von Wiesbaden Schulden, die er von seinem Bruder geerbt hatte, durch Glücksspiel zu tilgen. Er spielte und verlor 3000 Gulden – die gesamte Reisekasse. Sein Verleger stellte ihm ein Ultimatum: in 30 Tagen soll der Autor ein neues Werk vorlegen. „Der Spieler“ entstand. Doch wirklich los kommt Dostojewski nie von seiner Sucht – zu groß ist die Verlockung, am Roulettetisch den ganz großen Wurf zu landen. Wieder muss er bei seiner Frau um Geld betteln, die fleht ihn an, endlich aufzuhören.

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden liegt mitten im Zentrum der alten Bäderstadt. Das Theater hat vier Spielstätten:  Großes Haus (1041 Plätze), Kleines Haus (328 Plätze), Studio (89 Plätze) und die externe Spielstätte Wartburg (154 Plätze).

1894 wurde das prachtvolle Gebäude im neobarocken Stil nach einer Bauzeit von nur 22 Monaten fertig gestellt. Architekten waren die damals berühmten Wiener Theaterspezialisten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Die beiden entwarfen Theaterbauten für ganz Europa. Vorbild waren für Wiesbaden die Häuser in Prag, Wien und Zürich. Fellner & Helmer bauten in ganz Europa achtundvierzig Theater. 

In Deutschland die Komische Oper Berlin, in Hamburg das Deutsche Schauspielhaus, in Brno, Tschechien,  das Stadttheater, in der Ukraine das Opernhaus Odessa und viele mehr…

Europa hat auch diese gemeinsame wunderbare Theatergeschichte.  An den Bauten wird es klar! 

Zurück nach Wiesbaden. Der Bau des Wiesbadener Theaters wurde maßgeblich durch Kaiser Wilhelm II. initiiert und gefördert. Er kam regelmäßig nach Wiesbaden zur Kur, zu den berühmten heißen Quellen, die die Römer im ersten Jahrhundert n. Chr. schon genossen hatten. Er wollte allerdings während seiner Kuraufenthalte nicht auf das Theater verzichten. Durch die Besuche des Kaisers um die Jahrhundertwende blühte die Stadt auf. In dieser Wilhelminischen Ära wurden zu Ehren des Kaisers 1896 die Kaiserspiele, heute als Internationale Maifestspiele bekannt, gegründet und unter anderem das Kurhaus, das Theater sowie der Bahnhof errichtet. Die Stadtviertel wurden größer und die Einwohnerzahl stieg erstmals auf über 100 000 Einwohner, heute sind es 278 000.

Die Internationalen Maifestspiele sind nach Bayreuth das zweitälteste Festspiel Deutschlands. Das Programm besteht aus Opern-, Ballett- und Schauspielaufführungen namhafter Ensembles aus der ganzen Welt, meist in exzellenter Qualität. Auch des Weiteren profitiert Wiesbaden heute von dem Glanz der Vergangenheit. Theater, Kurhaus, das 5 Sterne Luxushotel „Nassauer Hof“ mit dem bekannten Gourmet- und ebenfalls Sterne-Restaurant „Die Ente“ bieten ein repräsentatives, auch beflügelndes, besonderes Terrain für Gäste und Besucher. Hinter dem Kurhaus beginnt der Kurpark Wiesbaden. 1852 nach dem Vorbild eines englischen Landschaftsparks angelegt, bietet er heute mit Wasserfontäne, schönem alten Baumbestand und einem Denkmal für Dostojewski Platz für Erholung, Entspannung und Träume. 

Hinter dem Staatstheater liegt ein weiterer Landschaftspark, der Warme Damm, benannt nach dem Zusammenfluss von Wiesbadener Thermalquellen. Hier sind seltene Bäume, darunter Zierquitten, Pagodenbäume, Tulpenbäume, Ginkos, Zaubernuss anzufinden und im Sommer ist dieser Ort auch ein Chill-out für Jugendliche.

Die nach dem Kaiser benannte Wilhelmstraße ist der Prachtboulevard der alten Bäderstadt. Bei den Wiesbadenern heißt sie „Die Rue“. Hier findet man auch zahlreiche Cafés und vieles mehr.

Das Große Haus des Staatstheaters ist ein repräsentativer Bau, der die Stadt dominiert. Die Theaterleute heute wollen diesen Anspruch entsprechend für die Stadt erfüllen. Mit möglichst vielen und vielfältigen Angeboten aus Oper, Ballett und Schauspiel versuchen sie für jeden und jede, jede Altersklasse, jede Bildungsschicht etwas zu bieten – frei nach Goethes Vers aus dem Faust: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus.“

Das prunkvolle Foyer des Staatstheaters Wiesbaden. Aussen gibt es heisse Quellen in der Nähe des Theaters.
Bild: Staatstheater Wiesbaden foyer028 © martinkaufhold.de / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das prunkvolle Foyer des Staatstheaters Wiesbaden erinnert an die Kaiserzeit

Das alte Logentheater, das Prunkfoyer, die Kaiserloge, der besondere schöne Eiserne Vorhang sind wunderbare Eindrücke, die auf der Bühne mit heutigem Spiel gefüllt werden. An die Vergangenheit erinnert die alte Kaiserfahrt. Der abends von Kerzen erhellte Weg ließ die kaiserliche Kutsche durch eine eigene Einfahrt direkt vor der Kaisertreppe halten, so dass der Kaiser unbehelligt seine kaiserliche Loge betreten konnte. Das Hessische Staatstheater ist längst im Heute angekommen. Diese Geschichten und Anekdoten bereichern uns heute und zeigen das besondere Flair.

Apropos Flair. Es befinden sich zahlreiche Sektkellereien in Wiesbaden und dem umliegenden Rheingau. Henkel & Co., Söhnlein Rheingold, MM Sektkellerei in Eltville, die man besichtigen und wo man etwas probieren kann. Na dann: Prosit und weiter gute Reise!

Link

www.staatstheater-wiesbaden.de

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