ErholungGeschichteIndustrie und HandwerkSachsen

Das Leipziger Neuseenland – von der ehemaligen Tagebaulandschaft zum Tourismusmagnet

5 Min. Lesezeit
Bild: Zöbigker Hafen, Cospudener See, Markkleeberg, 1709102012, ako © Ansgar Koreng / CC BY-SA 4.0 / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Abendstimmung im Leipziger Neuseenland. Ein wahrer Traum, was sich aus den Leipziger Braunkohletagebauen entwickelt hat, die bis zur Jahrtausendwende die Landschaft prägten

Die saubersten Seen, die schönsten Spazierwege, Wassersport, Bootsfahrten und Sonnenuntergänge.
Das alles erleben Sie, wenn Sie sich mit dem Reisebus auf den Weg ins Leipziger Neuseenland machen.
Und die Geschichte des schwarzen Goldes bekommen Sie gleich auch noch nahegebracht!

Alles beginnt an der Quelle. Genauer gesagt im Elstergebirge, das auf der deutsch-tschechischen Grenze liegt. Am nordwestlichen Zipfel Tschechiens, dort, wo auf deutscher Seite das Voigtland anfängt, entspringt die Weiße Elster. Der Ort Bärendorf verweist darauf, dass Wasser nicht das Einzige ist, was hier nach Deutschland einwandern könnte. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir folgen der Weißen Elster entlang der thüringischen Städte Greiz und Gera bis hinab in die Leipziger Tieflandebene mit Ihren Auwäldern. Diese haben Ihre Existenz neben den Sedimentablagerungen während der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren vor allem den regelmäßigen Überflutungen zu verdanken.

Die Quelle der Weißen Elster im deutsch-tschechichen Grenzgebiet.
Bild: Elster-Quelle, Aš © Stefan Korndörfer / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Die Quelle der Weißen Elster im deutsch-tschechichen Grenzgebiet. Würde sie nicht sprudeln, hätte nie ein Leipziger Neuseenland entstehen können

Am Anfang war die Braunkohle

Und jetzt springen wir in der Zeit gewaltig nach vorne. Im 20. Jahrhundert wurde das viele Wasser auf einmal zu einer Herausforderung. Das schwarze Gold sollte geborgen werden. Für die Braunkohle wurden über Jahrzehnte ganze Dörfer weggebaggert und die Tagebaue haben sich immer weiter in den Leipziger Südraum hineingefressen. Flüsse wurden begradigt und das Grundwasser musste aufwendig hochgepumpt und umgeleitet werden, damit die Flöze freigelegt werden konnten. Nur so war die Arbeit mit riesigen Schaufelradbaggern zu verrichten. Zu bewundern ist die ganze Geschichte samt der riesigen Gerätschaften im Bergbau-Technik-Park zwischen dem heutigem Markleeberger See und dem Störmthaler See.

Baumholz, das über die Jahrhundertausende hinweg nicht vollständig in Braunkohle verwandelt wurde.
Bild: Stümpfe braunkohle © Elbwestfale / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Spannendes Zwischenstadium. So sieht es aus, wenn sich organisches Material über die Jahrhundertausende hinweg nicht vollständig in Braunkohle verwandelt hat. Das schwarze Gold hat über viele Jahrzehnte den Leipziger Südraum mit seinen Tagebauen geprägt

Das Leipziger Neuseenland – große Veränderungen nach der Wende 

Und damit sind wir schon wieder ein großes Stück in der Zeit nach vorne gesprungen. In den Folgejahren nach der Deutschen Wiedervereinigung ging die Geschichte der Braunkohle im unmittelbaren Umfeld Leipzigs nach und nach zu Ende. Auch wenn es noch immer aktive Tagebaue in der Region gibt. Die Luft sollte reiner werden und das Wasser klarer. Die Natur sollte sich erholen können. Aber damit nicht genug. Es wurde ein großes touristisches Konzept ausgerufen für das 21. Jahrhundert. Die Idee der Leipziger Seenlandschaft war geboren. Seitdem haben vornehmlich die Wassermassen der Weißen Elster und der sich zur Pleiße vereinigenden Flüsse dazu beigetragen, die Tagebaufolgelandschaften zu fluten. Leipziger Neuseenland heißt das Projekt. Und es ist so erfolgreich, dass Leipzig in den letzten Jahren die sich einwohnermäßig am stärksten entwickelnde Stadt Deutschlands ist. Das ist nicht zuletzt der Attraktivität durch die vielen Seen in der allernächsten Umgebung zu verdanken. Zum Leipziger Neuseenland gehören mit den flächenmäßig größten Seen der Cospudener See, der Zwenkauer See, der Markkleeberger See und der Störmthaler See. Sie zählen zu den Top-Ausflugszielen in der Region. 

Ein Teil des Leipziger Neuseenlandes, gesehen von der Raumstation ISS aus. Abgebildet sind der Zwenkauer See und der Cospudener See. Rechts im Bild angeschnitten ist auch noch der östlich gelegene Markkleeberger See.
Bild: ISS047E108766 (Neuseenland) © Astronaut photograph ISS047-E-108766 was acquired on May 9, 2016, with a Nikon D4 digital camera using an 1150 millimeter lens and is provided by the ISS Crew Earth Observations Facility and the Earth Science and Remote Sensing Unit, Johnson Space Center. The image was taken by a member of the Expedition 47 crew. The image has been cropped and enhanced to improve contrast, and lens artifacts have been removed. Caption by Sarah Deitrick, Jacobs, and Justin Wilkinson, Texas State University, JETS Contract at NASA-JSC. / Wikipedia CC0 1.0
Ein Teil des Leipziger Neuseenlandes, gesehen von der Raumstation ISS aus. Abgebildet sind der Zwenkauer See und der Cospudener See. Rechts im Bild angeschnitten ist auch noch der östlich gelegene Markkleeberger See.

Wassersport und Aktivitäten im Leipziger Neuseenland

Wenn Sie mit dem Reisebus anreisen, sollten Sie sich Ihren Standort zum Parken reichlich überlegen. So vielfältig ist das Angebot. Am Cospudener See gibt es einen Leipziger Stadtstrand, einen kleinen Segelhafen und einen Aussichtsturm am Südufer. Dieser liegt übrigens ganz unweit des Freizeit- und Vergnügungsparks Belantis. Am Zwenkauer See finden Sie mit dem Hafen am Kap Zwenkau einen Ort, dessen Umgebung auch gastronomisch auf Besucherinnen und Besucher eingestellt ist. Auch können Sie sich hier auf das Ausflugsschiff Santa Barbara begeben und mit Ihrer Reisegruppe über den See schippern. Der Markkleeberger See ist wegen seiner Wassersportanlage sehr beliebt. Dort können Sie mit einem Rafting Boot durch einen künstlich angelegten Wildwasserkanal jagen, oder eine Runde Adventure Golf spielen. Dabei handelt es sich um eine spektakuläre Variante des allseits beliebten Minigolfes. Auch einen Hochseilklettergarten finden Sie hier. Auf dem Störmthaler See können die MS Störmthal besteigen und fahren zur schwimmenden Kirche Vineta. Dabei handelt es sich um ein Denkmal zur Erinnerung an den hier weggebaggerten Ort Magdeborn mit seiner Ende der 70er Jahre abgerissenen Kirche. 

Ein alter Tagebau in der Lausitz, der angefangen hat, sich zu renaturieren
Bild: Grünhaus Renaturierung eines Tagebergbaus in der Lausitz 02 © Bodow / Wikipedia CC BY-SA 4.0
So sahen die Tagebaue im Leipziger Neuseenland aus, als es losging mit der Renaturierung. Diese mitunter sehr abwechslungsreichen Perspektiven sind leider inzwischen ebenso in den Fluten versunken wie die vorwiegend zu DDR-Zeiten weggebaggerten Dörfer

So vielfältig wie verführerisch – Die südlichen und westlichen Seen im Leipziger Neuseenland

Erwähnt seien aber auch noch die ebenfalls zum Leipziger Neuseenland gehörenden und sich von Nord nach Süd in der Nähe zur A72 befindenden Gewässer: der Hainer See und der Bockwitzer See. Auch der an der Grenze zu Thüringen gelegene, sehr schöne und von reichlich Grün umgebene Haselbacher See ist Teil des Wasserkonzeptes. Letztgenannter See ist allerdings mit 25 km Luftlinie zur Leipziger Innenstadt schon ein ganzes Stück weit entfernt und lohnt einen eigenen Ausflug mit dem Reisebus. Als letztes sei hier der Kulkwitzer See genannt, der durch seine Lage im Leipziger Westen dem Leipziger Seenland manchmal nicht so richtig zugerechnet wird. Zu Unrecht. Schließlich gibt es hier einen Campingplatz, eine Wasserskianlage und eine Tauchschule. Als besondere Attraktion für Tauchgänge wurde vor über zwanzig Jahren eigens ein entkerntes Flugzeug im See versenkt. Also selbst einen Unterwasserpark hat Leipzig zu bieten. Am besten nehmen Sie sich im Sommer schon mal ausreichend Zeit, um eine der vielen Attraktionen des Leipziger Neuseenlandes zu besuchen.

Ein Stückchen Strand am Zenkauer See am Leipziger Neuseenland
Bild: Zwenkauer See © Daniel Sporbert / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Auch ruhige Plätzchen lassen sich im touristisch überregional attraktiven Leipziger Neuseenland aufspüren. Ein Naherholungsgebiet soll eben auch der Erholung dienen

Durchatmen im Leipziger Neuseenland

Aber natürlich können Sie den Ausflug mit dem Reisebus auch mal ganz anders angehen. Die Seen bieten mit ihren 10 bis 25 km langen Rundwegen tolle Möglichkeiten zum Wandern und zum Fahren mit Inline-Rollschuhen. Dann müssen Sie nur aufpassen, dass Sie nicht mit einem der zahlreichen Fahrradfahrer kollidieren, die je nach Jahres- und Tageszeit um die Seen des Leipziger Neuseenlandes düsen. Ein Fahrradverleih gibt es beispielsweise in Markleeberg zwischen dem Cospudener See und dem Markkleeberger See. Das kann ein guter Ausgangspunkt für eine Rundfahrt sein. So lassen sich die Seen, die allesamt auch als Badeseen genutzt werden, deutlich ruhiger erkunden; und einen Fischimbiss oder eine Grillbude finden Sie sicherlich obendrein auch noch, wenn Sie entlang der Uferwege durch das Leipziger Neuseenland radeln.

Hinweise

Parkplätze finden Sie wie folgt:

  • Cospudener See; am Nordufer mit 1 km barrierefreiem Fußweg oder am Ostufer beim Zöbigker Hafen
  • Zwenkauer See; auf der Südseite am Kap Zwenkau
  • Markkleeberger See; auf der Nordseite am Ende der aus Leipzig kommenden Bornaischen Straße. Hier finden Sie auch einen kleinen Strandabschnitt, einen Spielplatz, einen Bootsverleih und gastronomische Angebote.
  • Störmthaler See; am Ufer des östlichsten Zipfels des Sees gibt es einen Aussichtspunkt Störmthaler See mit dazugehörigem Parkplatz; oder Sie fahren auf die Magdeborner Halbinsel; auch dort gibt es Parkplätze, beispielsweise beim Hafen Lagovida
  • Kulkwitzer See; am nordöstlichen Ufer beim Campingplatz oder am südlichen Ufer bei der Tauchschule; der Parkplatz ist geschottert und bei Kulkis Bratstübel bekommen Sie gleich eine leckere Bratwurst; hier ist allerdings die Umgebung und auch der Zugang zum See nicht gut barrierefrei möglich

Lesenswert

Lesenswert sind vor allem die Infotafeln, die an so einigen Orten entlang der Uferwege des Leipziger Neuseenlandes aufgestellt sind und an das Schicksal der weggebaggerten Dörfer erinnern. Auch Wissenswertes zu Flora, Fauna und Geologie wird auf Infotafeln vermittelt.

Zusammenhängende Posts
BrandenburgGeschichteIndustrie und HandwerkLiteraturPersönlichkeiten

Brandenburgs erste Porcellain Fabrique im havelländischen Plaue

Wir wandeln auf den Spuren der ersten preußischen Porzellanmanufaktur, deren Werkstätten im havelländischen Schloss Plaue untergebracht worden sein sollen. Unser Autor berichtet…
GeschichteIndustrie und HandwerkMuseumSachsen

Technische Sammlungen Dresden – ein Museum in der sächsischen Hauptstadt begeistert für Wissenschaft und Technik

Kennen Sie die Firmennamen Pentacon, Zeiss und Robotron? Auf den ersten Blick sind Kameratechnologie und die Geschichte der Datenverarbeitung zu Beginn des…
ArchitekturBrandenburgGeschichtePersönlichkeiten

Eine Schinkelkirche erinnert an die Schlacht bei Großbeeren 1813

Nachdem wir uns die auf dem alten Friedhof der Großbeerener Dorfkirche befindlichen Denkmäler für die tapferen Gefallenen der Befreiungskriege des Jahres 1813…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

×
GeschichteIndustrie und HandwerkSachsen

Bergbau-Technik-Park Leipzig. Industriekultur zum Anfassen!