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KIEL–THEATER UND OPER MIT SEEBLICK UND EINIGE SOZIALE FRAGEN

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Bild: Stadttheater (Kiel 37.782) © Freitag, Christoph (1985-) / Wikipedia CC BY-SA 3.0 DE
Das Theater Kiel mit Seeblick in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins

Die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein liegt am Südende der Kieler Förde, einem 17 Kilometer tief ins Land einschneidenden Meeresarm der Ostsee. Kiel ist eine bedeutende Hafenstadt und der größte Passagierhafen Deutschlands. Der Fährverkehr nach Skandinavien spielt eine große Rolle, worauf auch Bezeichnungen wie „Schwedenkai“ und „Norwegenkai“ hinweisen. Im Bus wird die Reise zu den umliegenden Zielen an der Ostsee komfortabel.

Jedes Jahr im Sommer fahre ich zu meiner Cousine nach Kiel. Sie holt mich gleich am Busbahnhof ab – Bus- und Hauptbahnhof liegen direkt am Hafen und schon allein das Ankommen ist spektakulär: Man sieht Schiffe, große und kleine – die verschiedenen Anlegeplätze und Kais – Möwen fliegen in der Luft und es weht eine frische Brise. Eine andere Welt eröffnet sich!

Mit der Verlegung der preußischen Flotte nach Kiel, 1865, begann das rasche Wachstum der Stadt. 1895 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal, heute Nord-Ostsee-Kanal, eröffnet. Mit der Meuterei  der Matrosen der in Kiel vor Anker liegenden Hochseeflotte begann die Novemberrevolution von 1918. 1972 fanden auf der Kieler Förde die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele statt.

Meine Cousine und ich, wir fahren zur Begrüßung in die SEEBAR Kiel in Seebad Düsternbrook. In diesem einzigartig-eleganten und doch schlichten  Restaurant sitzt man an weiß gestrichenen Stühlen und Tischen und genießt den Abend und den Ausblick auf die Kieler Förde. Man hört die Wellen rauschen, dazu gibt’s entspannende Musik oder heißen Groove. Die SEEBAR ist der ideale Platz im nordischen Sommer, um mit einem gut gekühlten Drink auf Deckchairs zu relaxen – klingt nicht nur wie ein Kurzurlaub, ist auch so. Meine Cousine und ich, wir nehmen ein Aperol-Sprizz oder einen Hugo, tauschen Neuigkeiten aus und lassen meine Ankunft entspannt angehen. 

Wenn wir mögen, gehen wir anschließend in die Oper Kiel. Die Oper wurde von 1905 bis 1917 erbaut. Sie ist mitten im Zentrum der Stadt zu finden, gleich neben dem Rathaus. Sie ist die größte Bühne im Norden. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und Anfang der fünfziger Jahre wieder aufgebaut. Die Inneneinrichtung im damaligen Stil der „Neuen Moderne“ steht unter Denkmalschutz. 800 Zuschauer fasst die Oper, die zeitgemäß im Jugendstil aus roten Backsteinen erbaut wurde. Sie ist bekannt für ihr breitgefächertes Repertoire, das von der Barockoper bis zu Musicals reicht.  

Das Theater Kiel ist ein Fünf-Sparten-Haus. Es gibt neben der Oper das Philharmonische Orchester, das Ballett, Schauspiel und das Kinder- und Jugendtheater Werftpark Kiel.

Daniel Karasek – übrigens der Sohn des bekannten Literaturkritikers Helmuth Karasek – ist seit 2003 Intendant des Kieler Schauspiels und seit 2006 Generalintendant des Theaters Kiel. Es spricht für das Haus, für die Stadt und für Daniel Karasek, dass er schon lange und kontinuierlich hier arbeitet. Intendanten erhalten immer befristete Verträge – meistens für fünf Jahre. Danach wird neu verhandelt und der Mann oder die Frau geht oder bleibt. Zum Theater gehört der Wechsel – dennoch ist Kontinuität anzustreben und wichtig. Am Kieler Theater wurde übrigens 2019 die Mindestgage auf 2200 Euro brutto angehoben, ansonsten sind 2000 Euro brutto als Einstiegsgage üblich. Es wurden neue Strukturen geschaffen: mit probenfreien Samstagen und Zeitplänen, die Rücksicht auf Kinderbetreuung nehmen – dreiundzwanzig Babies wurden bis 2019 geboren.  Für künstlerisch tätige Mitarbeiter, also Schauspieler, Regieassistenten, Dramaturgen, Inspizienten und Theaterpädagogen war es ein Gewinn.  Man glaubt es kaum, aber ein im Durchschnitt zwölf Stunden Arbeitstag mit hohem öffentlichen und sozialen Wert bringt nur so ein knappes finanzielles Ergebnis. Auch dieser soziale Aspekt des Theaters kann in der alten Arbeiterstadt Kiel betrachtet werden.

Wie sieht der Arbeitstag eines Schauspielers normalerweise aus? Vormittags ist von 10 bis 14 Uhr Probe, davor zusätzlich ca. ab 9 Uhr individuell Stimm- und Körpertraining. Nach 14 Uhr geht es nach Hause, um Text zu lernen und individuelles Rollenstudium ist angesagt, bevor man um 18 Uhr zur abendlichen Vorstellung oder zur Abendprobe geht  – ein übervoller Tag von mindestens zwölf Stunden Arbeit, der nie vor 22 Uhr endet. Urlaub gibt es nur in den Sommerferien, Theaterferien genannt. Das sind dann sechs Wochen am Stück, die meistens parallel mit den örtlichen Schulferien sind.  Ich mache nun bei meiner Cousine Sommerferien.

Link

www.theater-kiel

Hinweis

Seebar Kiel im Seebad Düsternbrook, Kiellinie 130, 24105 Kiel. Telefon: 0431/34 185

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