Industrie und HandwerkRheinland-Pfalz

Auf Schusters Rappen

3 Min. Lesezeit
Bild: Hauenstein Shoe center 40637 © Jacquesverlaeken / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Eines der vielen Schuhcenter in der Südwestpfalz, das man auf Schusters Rappen erkunden kann

Ein Zentrum der Schuhherstellung ist die Südwestpfalz! Kein Wunder, dass es viele Schuhläden in einer Region gibt, die zwei traditionsreichen Herstellern Umgebung, handwerkliche und industrielle Bedingungen bietet: In Rieschweiler-Mühlbach, zwischen den Kleinstädten Zweibrücken und Pirmasens gelegen, ist die Stuppy Schuhfabrik angesiedelt.

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte Leo Stuppy eine kleine Werkstatt im Haus der Eltern eingerichtet und mit der Fertigung von Schuhen begonnen. Schuhe aus dem Leder vornehmlich von Rindern der Bauern in der Region, das war der Beginn. Er schnitt, nähte, klopfte und formte selber. Die ersten Schuhe waren für Kinder, dann kamen Schuhe für Frauen und Männer hinzu. Im Jahr 1964 wurde die Produktionsstätte gebaut und die Herstellung in Serie aufgenommen. Das Gebäude dient noch heute der Herstellung.

1993 übernahm der Sohn Axel Stuppy die Leitung der Firma. Er konzentrierte sich bald auf sogenannte Bequemschuhe und auf Schuhwerk für an Diabetes erkrankte Leute. Stuppy Reflexor Aktivschuhe haben eine weiche Lederdecksohle mit Noppen aus Moosgummi. Sie erzeugen einen Massagereflex beim Laufen, der regt die Durchblutung an. Die Breite der Schuhe wird am Fuß ermittelt, das Fußbett ebenso. Die Absätze werden in einer Höhe und Stärke gestaltet, die auf eine gesundheitsfördernde Wirkung berechnet werden.

Obermaterial und die innere Auskleidung der Schuhe sind aus geschmeidigem Leder. Diese Schuhe werden von Hand genäht. Sie versprechen heilendes Wirken und sie halten das Versprechen: sie haben Preise gewonnen. Zusammen mit normalen Schuhen werden sie im Laden an der Fabrik angeboten.

Sie sind natürlich auch in den Geschäften der Umgebung erhältlich. Im Jahr 2018 hat die Stuppy Schuhfabrik die Marke Christian Dietz Wellnesschuhe übernommen. Somit ist die Produktion sehr umfangreich geworden.

Im Nachbarort Thaleischweiler-Fröschen gibt es einen großen Schuhladen von Reno, der viele verschiedene Marken anbietet. Im Fashion-Outlet in Zweibrücken fehlen Schuhe nicht; das Outlet wird als eines der größten in der Region und im Lande bezeichnet. Doch da es nicht immer bloß um den Einkauf geht, fahren Besucher nach Hauenstein, um das Schuhmuseum zu besichtigen.

ein Schusterbrunnen mit den Skulpturen zweier Schuster zeigt die Wichtigkeit der Schuhherstellung in Hauenstein, wo man gut auf Schusters Rappen unterwegs sein kann
Bild: Hauenstein-12-Schusterbrunnen-2019-gje © Gerd Eichmann / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Schusterbrunnen in Hauenstein zeigt, wie wichtig die Schuhindustrie war und ist

1986 fasste die Gemeinde den Beschluss, ein Museum einzurichten, das die 100jährige Tradition der Schuherstellung in Hauenstein und im Pfälzer Wald darstellen sollte. Zehn Jahre darauf wurde das Museum eröffnet. In einer 1929 errichteten Schuhfabrik. Das Gebäude und seine Gestaltung im Stil des Bauhauses konnten erhalten werden. Eine historische Schuhmacherei im Eingangsbereich vermittelt authentische Eindrücke, die sich während des Rundganges bestätigen. Auf vier Etagen können mehrere Ausstellungen besichtigt werden. Sie zeigen Maschinen der industriellen Herstellung. Und Schuhe aus allen Epochen der jüngsten 2000 Jahre.

Eine weitere handwerkliche Tradition entfaltete sich nahebei in dem Dörfchen Dahn, das Flechten. Die Firma Frank Korbwaren hat hier ihren Sitz in vierter Generation. Seit 1885 stellt sie Flecht- und Korbwaren her aus Materialien, die im Pfälzer Wald gewonnen werden. Ob im Haushalt, im Garten oder zur Dekoration, die Waren sind schön anzusehen.

Schuhe trägt man beim Laufen und beim Wandern, man trägt sie auch beim Radfahren. Ein langer Radweg verbindet die Stätte des Herstellers Stuppy mit der Kleinstadt Pirmasens und mit Hauenstein, dem Ort des Museums. Er heißt Pirminius-Radweg, benannt nach dem Heiligen Pirminius, dem Gründer des Klosters in Hornbach, von wo der Weg seinen Ausgang nimmt. Oder wohin er führt, denn es ist ein Rundweg.

Mit dem Bus können Besucher die gleiche Strecke zurücklegen und dabei an verschiedenen Stationen Halt machen. Sie besichtigen einzelne Sehenswürdigkeiten wie Mühlen an Bächen, die Ruine eines Steinschlosses, Felsen, Höhlen und Aussichtspunkte. An jeder Station müssen sie mit Umsicht einen Fuß vor den anderen setzen – Füße, die mit Schuhwerk versehen sind.  

Hinweise

  • Stuppy Schuhfabrik GmbH Fabrikstr. 5, 66509 Rieschweiler-Mühlbach Telefon 06336 236
  • Hauensteiner Schuhmuseum Turnstraße 5, 76846 Hauenstein, Tel. 06392 9233342, www.museum-hauenstein.de
  • Frank Korbwaren Pirmasenser Str. 70, 66994 Dahn, Tel. 063913100, www.frank-flechtwaren.de 
  • Barrierefreiheit im Fabrikladen, im Korbwarenladen und im Museum bestätigt
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