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Zunächst auf die Station der Esel

2 Min. Lesezeit
Bild: ESA ESELSTATION © Metilsteiner / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Seit über 100 Jahren warten die Esel in der Eselstation vor der Wartburg auf ihren Einsatz

Die Wartburg thront hoch über Eisenach – die Burg und die Stadt stecken voll von Geschichte, Geheimnissen und kulturellen Wundern. Hier hatte Martin Luther das Neue Testament übersetzt, hier fanden feudale Machtkämpfe und demokratische Demonstrationen statt, hier suchten Pilger Obdach. Ein Kraftfahrzeug wurde nach ihr benannt.

Beim Aufstieg auf den 394 Meter hohen Wartberg kommen Besucher an der Eselstation vorbei. Sie können sich auf den Rücken eines Esels setzen und unter Führung bis auf den Hof der Wartburg tragen lassen. In früheren Jahrhunderten gegen ein Handgeld oder auch unter Missachtung der Würde der Eselstreiber ohne Bezahlung, heute zu einem festen Preis. Reisebusse und Personenkraftwagen fahren ebenfalls hinauf.

Die Wartburg war Stätte so vieler historischer Ereignisse, dass jeder Besucher hier etwas entdecken muss. Ihr kulturelles Programm bietet viel Abwechslung, so dass jeder Tourist auf seine Kosten kommt. Von der Stadtgrenze Eisenachs führen mehrere Wege hinauf. Keiner ist länger als zwei Kilometer. Es sei denn, unternehmungslustige Wanderer nehmen einen Umweg.

Im 11. Jahrhundert begann der Bau dieses Sitzes der Thüringer Landgrafen. Der älteste erhaltene Teil ist der Palas, ein dreigeschossiges Gebäude aus den Jahren 1180 bis 1200. Seine Arkaden gehen auf den Hof hinaus, der in den folgenden Zeiten umbaut worden war. Im 19. Jahrhundert wurden heute berühmte Fresken hier gemalt und ein ganzer Erker aus Nürnberg herangeschafft.

Vier Jahre nach dem Anschlag seiner reformatorischen Thesen in Wittenberg fand Martin Luther hier Schutz. Sein Landesherr hatte Grund zu der Vermutung, Kaiser und Obrigkeitskirche wollten dem Pfarrer Luther nachstellen. 1521 und 1522 übersetzte er das Neue Testament. Die Stube, in der er diszipliniert las und schrieb und nur einmal das Tintenfass an die Wand schleuderte, ist ein Ausstellungsraum.

Luthers Schreibtisch und Stuhl in seiner Stube in der Wartburg
Bild: Eisenach Wartburg Lutherstube 10 © J.-H. Janßen / Wikipedia CC BY-SA 4.0
In dieser Stube arbeitete Luther am Neuen Testament. Die Tintenspuren sind nicht mehr zu sehen

Neben der Lutherstube wurde später die Bibliothek eingerichtet. Über 800 Flugschriften aus der Zeit der Reformation sind museal ausgestellt. Ab 1853 begann Carl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Sammlung, ab 1883 wurde ein Teil der Bibelübersetzung gewidmet. Von 1890 an bis 1955 – als hätten Gelehrte das Unheil geahnt – waren die Bestände in der Predigerkirche in Eisenach in Sicherheit gebracht.

Gelehrte von heute müssen die historischen Burschenschaften und ihre merkwürdigen Gepflogenheiten nicht mögen. Doch zu ihrem Beginn spielten sie eine wichtige Rolle in demokratischen Bewegungen. Am 17. und 18. Oktober 1817 versammelten sich 470 patriotische Studenten und Professoren auf der Wartburg. Eingeladen hatte die Burschenschaft von Jena, um den dritten Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig und den 300. des Thesenanschlages zu feiern. Das Wartburgfest war eine der ersten bedeutenden Kundgebungen gegen Reaktion und feudale Willkürherrschaft. Als Symbole wurden Schriften und Bücher sowie Zopf, Korporalstock und Schnürleib verbrannt.

Die Kunstkammer der Wartburg präsentiert 9000 Objekte. Metallene Gießgefäße, Möbel, Textilien, eine Harfe und eine Laute, Gebrauchsgegenstände, die das Leben und Wirtschaften auf der Burg veranschaulichen. Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren sind zu sehen, beispielsweise die Ehebilder von Martin und Katharina Luther. Im Jahr 2021 gibt eine Sonderausstellung Auskunft über Luther im Exil.

Hinweise

  • Wartburg-Stiftung  Auf der Wartburg 1  99817 Eisenach  Tel. 03691 2500  www.wartburg.de  Öffnungszeiten von April bis Oktober  8:30 bis 20:00,  November bis März  9 bis 17 Uhr
  • Barrierefreiheit in der Burg weitgehend gegeben
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