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Von Zietens Schloss zur Hakenberger Siegessäule

5 Min. Lesezeit
Bild: Denkmal für die Schlacht bei Fehrbellin © James Ssteakley / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Die Hakenberger Siegessäule erinnert an den Sieg in der Schlacht bei Fehrbellin

Nachdem wir am Ruppiner See spazierten, Zietens Schloss und das Preußen Museum in Wustrau besuchten, steigen wir in den Reisebus ein, der zum Hakenberg fährt, auf dem das Denkmal des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, steht. Die Siegessäule wurde anlässlich des Triumphs nach der Schlacht bei Fehrbellin über die Schweden errichtet.

Die goldene Siegesgöttin mit Flügeln, Victoria, auf der Spitze der Siegessäule in Hakenberg
Bild: Hakenberg Siegessauele Detail-01 © Radler59 / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die Siegessäule auf dem Hakenberg

Als nach dem Tode seines Vaters, Kurfürst Georg Wilhelm, der gerade einmal 20-jährige Friedrich Wilhelm von Hohenzollern im Jahre 1640 Markgraf von Brandenburg und damit auch Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs geworden war, lagen dessen brandenburgische Erbländer am Boden. Wie schlimm die Situation in den unterschiedlichen Ländern und in den entvölkerten Landstrichen war, kann noch heute aus den überlieferten Worten eines hohen Brandenburg-Preußischen Beamten geschlussfolgert werden: „Das ganze Land [haben wir] in einem so erbärmlichen Zustande gefunden, dass mit den unschuldigen Leuten überall ein größeres Mitleid zu tragen, als davon viel zu schreiben stehet“. „Die Karre [sei] so tief, wie man im Sprichwort zu sagen pfleget, in den Koth geschoben.“ 

Die Zeitgenossen und deren Nachkommen assoziierten den Schrecken, den die marodierenden Heere verbreiteten, vor allem mit den Schweden, die 1640 nicht nur weite Teile Brandenburgs besetzt hielten, sondern die auch das zu beiden Seiten des Rheins gelegene Herzogtum Kleve sowie die an den Flussufern der Ruhr befindliche Grafschaft Mark ausplünderten. Beide westlich gelegenen Regionen hatte im Verlauf des 17. Jahrhunderts der Kurfürst von Brandenburg-Preußen geerbt. Das schreckliche Morden des Dreißigjährigen Krieges konnte 1648 durch den Westfälischen Frieden beendet werden, in dessen Folge das sieggewohnte Königreich Schweden nicht nur weite Territorien Mecklenburgs und Pommerns dauerhaft annektierte, sondern auch seinen exorbitanten Rang als europäische und nördliche Großmacht konsolidierte. 

Die Schlacht bei Fehrbellin 1675

Die Schweden kommen!“, ist eine geflügelte Sentenz, die über viele Jahrhunderte sowohl in der deutschen Sprache als auch in der Erinnerung der Bürger lebhaft präsent war. Noch im 19. Jahrhundert hat der niedersächsische Schriftsteller Julius Rodenberg folgende Verse gereimt, die auf einem losen Kunstblatt überall verbreitet wurden:

„Die Schweden kommen!“ All’ im Schloß hat dieser Schreckensruf
Geweckt; schon zu vernehmen meint man ihrer Rosse Huf.
„Flink, flink an’s Werk! mit Hab’ und Gut, bergt, was ihr bergen könnt –
Ja, lieber in den Brunnen, als daß ich’s dem Schweden gönnt’! “ ( … ) 

In der am 18. Juni 1675 am Rande des kleinen, als „Wiege Preußens“  bezeichneten Dörfchens Hakenberg stattfindenden Schlacht bei Fehrbellin haben 11.000 schwedische Dragoner gegen 5.600 brandenburgische Reiter aus diversen Kürassierregimentern gekämpft. 

Die unter dem alleinigen Oberbefehl des Kurfürsten Friedrich Wilhelm stehenden brandenburgischen Truppen konnten, unter taktischer Ausnutzung des sumpfigen Umlands, die Schlacht glücklich für sich entscheiden. Zudem begründeten die außerordentlichen Folgen des gewonnenen Feldzugs nicht nur die künftige Rolle Preußens als eine weitere europäische Militärmacht, sondern Kurfürst Friedrich Wilhelm erhielt fortan auch persönlich den ehrenvollen Beinamen „der Große“ zugesprochen. 

Wenngleich es sich aus schwedischer Sicht bei der Bataille nur um ein ungeschickt verlaufenes Rückzugsgefecht gehandelt hat, war dessen langanhaltende Wirkung in Preußen und im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation außerordentlich groß. Zum ersten Mal war es dem aufstrebenden und talentierten Brandenburger Kurfürsten gelungen, unter seinem eigenen Namen einen fulminanten Sieg über die angesehenste Militärmacht jener Zeit und den unbestrittenen Triumphatoren des Dreißigjährigen Krieges, die Schweden, zu erringen. 

Einerseits haben die anderen europäischen Großmächte zunächst dafür gesorgt, dass Friedrich Wilhelm beinahe seine ganzen Eroberungen in Mecklenburg und in Pommern wieder aufgeben musste. Andererseits war es offensichtlich geworden, dass das ruinierte Brandenburg in nur wenigen Dekaden zu einer eigenständigen politisch-militärischen Macht herangereift war, um dessen kulantes Wohlwollen zu erlangen sich selbst die großen Mächte nicht mehr zu fein waren. Viele kluge Zeitzeugen haben diese historische Zäsur auch sofort verstanden, dass es dem souveränen Großen Kurfürsten im Sommer des Jahres 1675 gelungen war, bei Fehrbellin nicht nur eine unbezwingbare schwedische Armee zu schlagen. Erstmalig in seiner leidgeprüften Geschichte konnte Brandenburg-Preußen als ein autonom handelnder Akteur im gnadenlosen Konkurrenzkampf der europäischen Staaten bestehen, indem es sich gegen die stärkste Militärmacht jener Tage selbständig behauptet hatte. 

Leider blickt die Geschichte nur allzu gern auf die militärischen Erfolge oder die schmachvollen Niederlagen eines Landes und seiner führenden Repräsentanten zurück. Es wird dabei aber leicht vergessen, dass neben dem glanzvollen Sieg Friedrich Wilhelms über die desorientierten Schweden bei Fehrbellin mindestens ebenso entscheidend die immense Arbeitsleistung und die organisatorischen Fähigkeiten des Großen Kurfürsten zu bemessen sind. 

Im Gegensatz zu vielen seiner adligen Kontrahenten hat sich Friedrich Wilhelm regelmäßig und konzentriert den komplexen Staatsgeschäften zugewandt. Stets befolgte er sein selbstgewähltes Motto, das unter seinen fähigen Nachfolgern zu einem neuen Regierungsstil reifen wird: „Ich werde meine Verantwortung als Fürst in dem Bewusstsein wahrnehmen, dass es sich um die Angelegenheiten des Volkes handelt, nicht um meine eigenen.“ Unter diesem löblichen Credo hatte der vitale Große Kurfürst, wie wir heute sagen würden, „die Ärmel hochgekrempelt und sich dazu aufgemacht, seine ruinösen Erbländer wiederaufzubauen.

Die Siegessäule für den Großen Kurfürsten auf dem Hakenberg

Die goldene Figur einer Frau mit Flügeln, die einen Siegerkranz in der Hand hält
Bild: Siegessäule Hakenberg-04-Detailansicht Victoria © Muck / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die Siegesgöttin Victoria ist 4,15 Meter hoch und 15,5 Tonnen schwer

Um die Erinnerung an den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und die bedeutende Schlacht bei Fehrbellin gegen die derangierten Schweden lebendig zu halten, waren im Jahre 1875 aus dem Portefeuille Kaiser Wilhelms I. 100.000 Goldmark entnommen worden, um ein knapp 35 Meter hohes Denkmal auf dem Hakenberg zu errichten. Die vom Bauführer Cuno Reinmann in den Jahren 1878/79 konstruierte Siegessäule wurde auf jener Anhöhe erbaut, auf der seinerzeit die 13 Kanonen der preußischen Geschützstellungen gestanden haben. Am Sockel der Säule befindet sich die markante Büste des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm.

Das Abbild des Großen Kurfürsten ist in einem Medaillon im Sockel der Säule eingelassen
Bild: Hakenberg Siegessauele Detail-03 © Radler59 / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Ein Abbild des Großen Kurfürsten am Sockel der Siegessäule

Zu ihrem gusseisernen Aussichtsplateau führen 114 Stufen empor, über dem sich in luftiger Höhe die vom Bildhauer Martin Rauch geschaffene 4,15 Meter hohe und 15,5 Tonnen schwere Siegesgöttin Victoria befindet. Bei der vergoldeten Figur der Göttin handelt es sich um einen formvollendeten Bronzeguss aus der allseits bekannten Lauchhammerhütte in der vom kleinen westslawischen Volk der Sorben, den Serby, bewohnten brandenburgischen Niederlausitz. 

Eine lange, gerade, von Bäumen umsäumte Allee
Bild: Hakenberg Denkmalsallee © Clemensfranz / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Die Denkmalsallee ist 800 Meter lang

Die feierliche Einweihung der augenfälligen Siegessäule auf dem Hakenberg fand am 02. September 1879 statt. Vom Fuß des imposanten Monuments führt eine 800 Meter lange und mit 140 Ahorn- und Lindenbäumen bepflanzte Allee zu dem im Jahre 1800 vom preußischen Pädagogen Friedrich Eberhard von Rochow initiierten Kleinen Denkmal. An dieser Stelle hatten seinerzeit die brandenburgischen Reiter zusammen mit der ältesten militärischen Formation der preußischen Kavallerie, dem Leib-Kürassier-Regiment „Großer Kurfürst“, die geschlossene Kampflinie der Schweden durchbrochen. Einen immensen Blutzoll von 3000 toten Soldaten hat die legendäre Schlacht bei Fehrbellin gefordert. 

Ein mit einem eisernen Zaun abgetrenntes Denkmal, einer großen gusseisernen Schale
Bild: Hakenberg Kleines Denkmal © Clemensfranz / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das sogenannte „Kleine Denkmal“

Die historischen Folgen der Schlacht bei Fehrbellin

Friedrich Wilhelm hat die erfolgreich gewonnene Fehrbelliner Schlacht zu seiner selbstbewussten Selbstdarstellung genutzt, die schließlich in der apotheotischen Stilisierung als „Großer Kurfürst“ gipfelte. Im Verlauf seiner 48-jährigen abwechslungsreichen Regierungszeit hatte Friedrich Wilhelm das unverrückbare Fundament des brandenburgisch-preußischen Staates gelegt. Sein prunkliebender Sohn Friedrich I. wird 1701 die preußische Königskrone, sein sparsamer Enkel Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig,  das diziplinierte Heer und sein grandioser Urenkel Friedrich II. die europäische Großmacht dem ererbten Vermächtnis des Großen Kurfürsten hinzufügen. 

Diesem tradierten Erbe sahen sich auch die nachgeborenen preußischen Eliten verpflichtet, die die sagenumwobene Schlacht von Fehrbellin zu einem historischen Meilenstein erklärten. Der selbst eine Zeitlang als einfacher Leutnant im 3. Bataillon des Garderegiments in Potsdam dienende Autor Heinrich von Kleist hat in seinem letzten Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ das hin und her wiegende Geschehen auf dem chaotischen Schlachtfeld facettenreich geschildert und dabei den sogenannten „preußischen Tugenden“ ein zeitloses Denkmal gesetzt.

Hinweis

Die Siegessäule auf dem Hakenberg ist nicht barrierefrei, das Kleine Denkmal hingegen schon. 

Link

fehrbellin.de – Unsere Gemeinde

Literatur

Ranke, Leopold von: Preußische Geschichte, hg. von Willy Andreas. Essen 1980

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