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Schlüters Zeughaus und ein Museum

4 Min. Lesezeit
Eine Teilansicht des Hauptportals des Deutschen Historischen Museums in Berlin Foto: © Christian Klam

Nachdem wir aus dem gelben Berliner Bus der Linie 100 oder aus unserem Reisebus am belebten Boulevard Unter den Linden ausgestiegen sind und uns die sehenswerte Schlossbrücke angeschaut haben, wollen wir nun dem vis-à-vis gelegenen Deutschen Historischen Museum im ältesten Barockgebäude der pulsierenden Spreemetropole einen ausgiebigen Besuch abstatten.

Ursprünglich diente das ehemalige Zeughaus nicht nur als Waffenarsenal und als Munitionsdepot für das preußische Militär, sondern es ist neben dem gegenüber gelegenen Stadtschloss der Hohenzollern auch der älteste und der bedeutendste Barockbau in Berlin. Eigentlich war die Errichtung des Zeughauses noch unter der Ägide des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm, des Siegers von Fehrbellin – unser Buskompass-Autor berichtete – im Jahre 1688 beabsichtigt worden. Tatsächlich erfolgte der Baubeginn hingegen unter der Regierung des prunkliebenden Sohnes und Nachfolgers Kurfürst Friedrich III., König Friedrich I., im Jahre 1695. Die kompetente Leitung übernahm der erst 36-jährige kurfürstlich-brandenburgische Oberbaudirektor Johann Arnold Nering. Unter Nering war das monumentale Waffenarsenal bereits bis zur Höhe der Attika, der mauerförmigen Erhöhung der über das eigentliche Dach hinausgehenden Außenwand, errichtet worden. Nachdem Nering überraschend noch im gleichen Jahr gestorben war, ging die zügige Weiterführung des Baus im damals prägenden Stil des französischen Barocks an den ostpreußischen Architekten Martin Grünberg über. Schon drei Jahre später, 1698/99, wurde der geniale Hofbildhauer und Schlossbaudirektor, in Danzig geborene Andreas Schlüter mit der Übernahme der Bauleitung betraut. Der als Baumeister und Bildhauer des preußischen Barock gefeierte Schlüter hatte bereits seit dem Jahre 1696 als begnadeter Skulpteur die einzelnen Fassaden des Zeughauses plastisch gestaltet. Leider war Fortuna, die antike Glücks- und Schicksalgöttin, Schlüter nicht wohl gesonnen, weil unter seiner unglücklichen Oberaufsicht ein partieller Einsturz des Gebäudes erfolgt war. Wahrscheinlich hatte sich die bereits unter Johann Arnold Nering erbaute Attika als zu schwer erwiesen. Nachdem der enttäuschte Schlüter seine Demission bei dem anspruchsvollen Kurfürsten Friedrich III. eingereicht hatte, vollendete bis in das Jahr 1706 der aus Paris stammende Hugenotte Jean de Bodt die überzeugende äußere Fertigstellung des Waffenarsenals an der Spree, bevor er zum namhaften Direktor der Schlösser und Gärten in Potsdam berufen wurde. Sämtliche Innenräume des großartigen Zeughauses konnten jedoch erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts komplett fertig gestellt werden. 

Vier Säulen tragen einen Überbau über einem vergoldeten Medaillon
Die Hauptfront des ehemaligen Zeughauses mit einem vergoldeten Brustbild des Königs Friedrich I. von Preußen
Foto: © Christian Klam

In den späten 70er Jahren des 19. Jahrhunderts baute der Architekt des Historismus, Friedrich Hitzig, auf ausdrücklichen Geheiß Kaiser Wilhelms I., das einstige Waffendepot zu einem preußischen Waffenmuseum um, wobei der große Innenhof des Bauwerks durch ein überdimensionales Glasdach geschlossen wurde. Nachdem das nunmehrige Museum im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden war, erfolgten dessen umfangreiche Rekonstruktionsarbeiten seit dem Jahre 1949. 

Zu Zeiten der DDR wurde im weitgehend instand gesetzten Zeughaus das Museum für Deutsche Geschichte untergebracht. Seitdem in den 1990er Jahren die brillante Fassade des Zeughauses nach historischen Grundlagen saniert worden war, beherbergt es heute das Deutsche Historische Museum. In dessen zahllosen Ausstellungssälen können interessierte Besucher anhand von über 7.000 Exponaten ab der von vielen Bürgern beliebten Epoche des Mittelalters bis in unsere Tage die deutsche Geschichte anschaulich zurückverfolgen.

Eine Skulptur einer klassischen Figur, die eine Putte an ihrer Seite hat
Eine Allegorie am Hauptportal des Pariser Bildhauers Guillaume Hulot
Foto: © Christian Klam

Schlüters Skulpturenschmuck am Zeughaus

Noch heute erscheint uns Nachgeborenen das abwechslungsreiche Schicksal des hochtalentierten Hofbildhauers Andreas Schlüter als äußerst bemerkenswert. Wenngleich er zweifelsohne in der europäischen Kunstgeschichte zu den unumstrittenen Koryphäen der barocken Skulptur und Architektur gehört, besitzt sein erhaltendes Œuvre keinerlei größere Popularität mehr. Seine zahlreichen Arbeiten sind fatalerweise fast gänzlich vergessen, weil lediglich wenige erhalten blieben. Da die einzelnen Städte seines rastlosen Wirkens, Danzig, Warschau, Berlin, Potsdam und Sankt Petersburg nur geringe Relikte von Schlüters begnadetem Werk bewahren konnten, müssen wir uns auch über seinen privaten Lebensweg und sein näheres Umfeld mit nur seltenen Überlieferungen begnügen.

Andreas Schlüter war maßgeblich an der künstlerischen Gestaltung des reichen, entsprechend der Bestimmung des Zeughauses auf Militär und Kriegskunst bezogenen Skulpturenschmucks beteiligt. Die fast einhundert als barocke Prunkhelme angefertigten prachtvollen Schlusssteine über den Portalen und den Fenstern des Erdgeschosses sind nicht nur persönlich von Schlüter entworfen worden, sondern sie gehören auch zu dem frühsten erhaltenen Werk des Künstlers in Berlin.

Eine Skulptur aus Sandstein, die einen Prunkhelm zeigt
Ein barocker Prunkhelm aus Sandstein nach dem Entwurf von Andreas Schlüter um 1700
Foto: © Christian Klam

Ebenso gelten die wundervollen an der Außenfassade befindlichen phantastischen Helme und die im weiten Innenhof des Zeughauses versammelten zweiundzwanzig Masken sterbender Krieger noch immer als unübertroffene Meisterwerke der europäischen Barockskulptur. Die besten in ihrer ergreifenden Ausdruckskraft und handwerklichen Vollkommenheit gestalteten Köpfe dürften sicherlich von Schlüter persönlich modelliert worden sein. Offensichtlich geben die gleichsam als Kriegstrophäen ausgeführten überlebensgroßen Köpfe verschiedenartiger Charaktere und mannigfaltiger Lebensalter die unterschiedlichen Stadien des Sterbens vom verzweifelten Todeskampf bis zur verklärten Ruhe wieder.

Jean de Bodt und Guillaume Hulot gestalteten das Hauptportal des Zeughauses 

Die Skulptur der Siegesgöttin Victoria, die mit einer Posaune den Sieg verkündet
Die geflügelte Göttin Victoria mit Posaune verkündet den Sieg
Foto: © Christian Klam

Der reiche Schmuck der Giebelreliefs und die Trophäen, die Tropaia, auf der das Zeughaus bekrönenden Attika wurden nach einem kühnen Entwurf des Architekten Jean de Bodt von dem Pariser Bildhauer Guillaume Hulot ausgeführt. Gleichermaßen fertigte Hulot die überlebensgroßen, neben dem Hauptportal stehenden, allegorischen Sandsteinfiguren sowie das in der oberen Portalnische befindliche und vergoldete Portraitmedaillon König Friedrichs I. an. 

Eine goldene Abbildung des Kopfes des Königs Friedrich I. von Preussen als Medaillon
Die Kartusche des Königs Friedrich I. von Preußen über dem Hauptportal
Foto: © Christian Klam

Über dem von zwei preußischen Adlern gehaltenen Reliefmedaillon ist die mit einer goldenen Krone bekrönte Wappenkartusche und die in lateinischer Sprache abgefasste Bauinschrift aus dem Jahre 1706 angebracht. Bedauerlicherweise mussten unzählige originale Skulpturen aufgrund der verheerenden Beschädigungen im zweiten Weltkrieg durch einfache Kopien ersetzt werden.                 

Eine Skulptur auf dem Dach des Zeughauses, das einen antiken, behelmten Krieger mit zwei Gefangenen zeigt
Die bekrönende Figurengruppe auf dem Dach des Zeughauses
Foto: © Christian Klam

Hinweis

Stufenloser Zugang zum Museum. Sämtliche Ausstellungsräume sind mit einem rollstuhlgerechten Aufzug erreichbar. Angeboten werden Führungen für Blinde und Sehbehinderte sowie Besichtigungen für Gehörlose und in einfacher Sprache.

Adresse 

Unter den Linden 3, 10117 Berlin-Mitte

Telefon 030 20304-750/-751

Öffnungszeiten 10:00 bis 18:00 Uhr

Eintritt Dauerausstellung im Zeughaus: Eintritt frei 

Link

www.dhm.de

Literatur

Büttner, Horst; u.a.: Kunstdenkmäler Berlin und Potsdam. Bildband, hg. vom Institut für Denkmal-pflege, Berlin 1987. S. 105 und 115 sowie Tafeln 220, 244 und 245  

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