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Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz

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Bild: Berlin, Mitte, Bebelplatz, Hedwigskathedrale 02 © Beek100 / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz

Nachdem wir uns die Alte Bibliothek, die Berliner „Kommode“, angeschaut haben, zieht uns die monumentale Kuppel der benachbarten Sankt-Hedwigs-Kathedrale wie ein magischer Magnet an. Wer schon einmal in Rom war, besuchte vielleicht das mit dem Berliner Sakralbau vergleichbare Monument – das antike Pantheon auf dem Campo Marzio? Über architektonische Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Zu den prominentesten Sakralbauten nördlich der Alpen, die sich am Vorbild des antiken, auf dem Marsfeld, dem Campo Marzio, in Rom stehenden Pantheons orientieren, gehört zweifelsohne die katholische Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Versteckt liegt sie ein wenig schräg hinter der berühmten Staatsoper Unter den Linden in der zweiten Reihe, am südöstlichen Abschluss des geplanten Forum Fridericianum, dem heutigen Bebelplatz, im pulsierenden Herzen der deutschen Hauptstadt. Mit der durchdachten Bebauung des majestätischen Prachtplatzes hatte Friedrich der Große die spätbarocke Aufwertung seiner bis dato ein wenig bescheidenen märkischen Residenzstadt immens gefördert. 

In freundschaftlicher Kooperation verbunden, lieferten der allseits geschätzte Lieblingsarchitekt Friedrichs II., der talentierte Baumeister der Linden-Oper, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, und der gebürtige Pariser Jean Laurent Legeay gemeinsam den architektonischen Plan zur Errichtung der imposanten Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Sie entstand als zweites Bauwerk auf dem weiten Forum Fridericianum, dem „Marktplatz Friedrichs [des Großen], in der Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Allerdings sollten bis zur Weihe des kolossalen Sakralbaus über 25 Jahre vergehen. 1747 war die feierliche Grundsteinlegung für den barocken Zentralbau erfolgt. Indessen wurden aufgrund von knappen Finanzen der aufwendige Weiterbau im Jahre 1755 nicht nur unterbrochen, sondern zwei Jahre später auch noch wegen des nicht enden wollenden Siebenjährigen Krieges komplett eingestellt. Inzwischen hatte der leidenschaftliche Bauherr Friedrich der Große seine rastlose Bautätigkeit in das bei Berlin gelegene pittoreske Potsdam verlagert, was dazu führte, dass das vormalige Interesse an seinen älteren Projekten in seiner expandierenden Spree-Residenz massiv zurückgegangen war.

Die Wahl der Heiligen Hedwig, der Königin Jadwiga, als Schutzpatronin erfolgte mit Absicht

Die Grabfigur der Heiligen Jadwiga mit zum Gebet gefalteten Händen
Bild: Jadwiga CP © Cezary Piwowarski / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Königin Jadwiga – die Heilige Hedwig. Sie ist die bewusst gewählte Schutzpatronin der Sankt-Hedwigs-Kathedrale

Weder die Errichtung noch das Patrozinium, die Schutzherrschaft, der neuen katholischen Kirche Berlins, die der beliebten Patronin Schlesiens, der Heiligen Hedwig, der polnischen Königin Jadwiga, geweiht war, erfolgte rein zufällig. Vielmehr hat Friedrich der Große nach seinem siegreichen schlesischen Krieg, dem sogenannten Siebenjährigen Krieg, ein klares Signal der religiösen Toleranz an seine katholischen Untertanen in seiner neu eroberten Provinz gesendet, die gleichermaßen in der wachsenden Berliner Gemeinde stetig an Einfluss und Bedeutung gewonnen hatten.  

Die gleiche Absicht der religiösen Toleranz galt auch für die Wahl des architektonischen Vorbilds, mit dem Knobelsdorff und Legeay auf ein bedeutendes Hauptwerk des antiken Sakralbaus zurückgriffen. 

Der klassische Bau des Pantheons in Rom mit einem Säulenvorbau und einer runden Kuppel
Bild: Roma 1000 103 © FrDr / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Das auf dem römischen Marsfeld stehende Pantheon ist das Vorbild für die Sankt-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz

Obwohl die grandiose Sankt-Hedwigs-Kathedrale mit ihrem vorgesetzten antikisierenden Säulenportikus und der kuppelbekrönten Rotunde keine direkte Kopie des antiken Pantheons ist, das die Römer umgangssprachlich La Rotonda nennen, steht das Berliner Gotteshaus dennoch unverkennbar in dessen baulicher Tradition. 

Der Blick nach oben in der prächtig verzierten Kuppel des Pantheons
Bild: Ceiling of the Pantheon, Rome © Anne Dirkse (www.annedirkse.com) / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Das prächtig verzierte Innere der Kuppel des Pantheons

Da der altgriechische Name Pantheon eine Weihung an alle Götter impliziert, wird es auch in der festen Absicht des in sämtlichen Religionsfragen toleranten Friedrich II. gelegen haben, seine protestantischen und katholischen Untertanen in einem neu konzipierten Sakralbau, der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, friedlich unter einem gemeinsamen Dach zusammenzubringen.    

Ein Blick von Inneren der Sankt Hedwigs-Kathedrale nach oben in die Kuppel
Bild: Berlin.Hedwig Cathedral 007 © JoJan / Wikipedia CC BY 3.0
Der Blick in die Kuppel der Sankt-Hedwigs Kathedrale am Bebelplatz

Der christliche Figurenschmuck an der barocken Sankt-Hedwigs-Kathedrale

Am 1. November 1773 erfolgte die sakrale Weihe der neuen Kathedrale. Niemand dürfte bestreiten, dass die hübsche Sankt-Hedwigs-Kathedrale ein fulminanter Höhepunkt des barocken kirchlichen Zentralbaus in Berlin darstellt. Vor dem unter der hohen Kuppel liegenden kreisrunden Zentralbau befindet sich der giebelbekrönte Säulenportikus mit dem zum Bebelplatz gewendeten Eingangsportal.

Der klassische Giebel der Sankt-Hedwigs-Kathedrale mit Abbildungen
Bild: Berlin.Hedwig Cathedral 002 © JoJan / Wikipedia CC BY 3.0
Im Giebelfeld die Hedwigsgruppe aus dem18. Jahrhundert, darunter christlichen Szenen aus dem 19. Jahrhundert

Im oberen Giebelfeld ist die sogenannte Hedwigsgruppe zu sehen, die aus dem späten 18. Jahrhundert stammt. Hingegen wurde der darunter befindliche und christliche Szenen abbildende Skulpturenschmuck erst im 19. Jahrhundert ausgeführt. Ebenso wie der mächtige Zentralbau ist der rückwärtige Kapellenanbau überkuppelt, in dem die obligatorische Sakristei für die liturgischen Gewänder und die Accessoires für den Gottesdienst untergebracht ist.         

Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Kapellenanbau der Sankt Hedwigs-Kathedrale. Er ist mit einer halbrunden Kuppel versehen.
Bild: Berlin Hedwigskathedrale Sakristei © Rabanus Flavus / Wikipedia CC0 1.0
Auch der Kapellenanbau der Sankt-Hedwigs-Kathedrale ist mit einer Kuppel versehen

Bei einem alliierten Luftangriff in den 1940er Jahren wurde die altehrwürdige Sankt-Hedwigs-Kathedrale bis auf die tragenden Umfassungsmauern zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der über 10 lange Jahre andauernde Wiederaufbau des zentralen Sakralbauwerks. Im Zuge dessen wurden nicht nur der immense Innenraum des gewaltigen Gotteshauses neu gestaltet, sondern auch die ursprüngliche Krypta als sogenannte Unterkirche mit in den weihevollen Andachtsraum einbezogen. Heute ist sie die imposante Bischofskirche des Bistums Berlin und eine beliebte Sehenswürdigkeit auf dem allzeit belebten Bebelplatz.

Hinweis

Sankt-Hedwigs-Kathedrale, Bebelplatz, 10117 Berlin-Mitte

Eintritt: frei

Achtung: Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale ist derzeit für einen Umbau des Innenraums geschlossen.

Anfahrt: Haltestelle der Busse 100, 300 & N5 an der Staatsoper Unter den Linden. Von dort aus sind es zu Fuß gut 200 Meter über den Bebelplatz bis zur Sankt-Hedwigs-Kathedrale.

Lesenswert   

Büttner, Horst; u.a.: Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1984

Goetz, Christine & Victor H. Elbern: Die St. Hedwigs-Kathedrale zu Berlin. Regensburg 2000

Knell, Heiner: Vom Parthenon zum Pantheon. Meilensteine der antiken Architektur. Darmstadt 2013

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