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Der Berliner Dom II – die Hohenzollerngruft

4 Min. Lesezeit
Die Hohenzollerngruft ist untrennbar mit dem Berliner Dom verbunden Foto: © Stefan Schaubitzer

Untrennbar mit dem Berliner Dom ist die Hohenzollerngruft verbunden.
Unser Buskompass-Autor beschreibt das älteste Bronzegrabmal für den Kurfürsten Johann Cicero.
Zudem werden den Lesern die barocken Prunksarkophage des genialen Bildhauers Andreas Schlüter näher gebracht, der das Zeughaus Unter den Linden und den Altar in der Marienkirche geschaffen hat.

Neben der im schönen Wien gelegenen Kapuzinergruft, in der 12 Kaiser und 19 Kaiserinnen des österreichischen Hauses Habsburg bestattet sind, und dem nördlich von Madrid befindlichen Klosterpalast Escorial, in dem die Sarkophage fast aller spanischen Könige der casa de Austria, des iberischen Seitenzweigs des „Hauses Österreich“, liegen, gehört die ehrwürdige Hohenzollerngruft in den Gewölben des Berliner Doms, zu den bedeutendsten dynastischen Grablegen Europas.      

Ein gusseisernes Tor bildet den Eingang zur Hohenzollerngruft
Bild: BerlinerDomFotoThalerTamas5 © Thaler Tamas / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Zugang zur Hohenzollerngruft im Untergeschoss des Berliner Doms

In der spektakulären Hohenzollerngruft unterhalb des Berliner Doms stehen 90 Prunksarkophage und Grabmäler, in denen Angehörige der aus dem heutigen schwäbischen Zollernalbkreis stammenden Hohenzollerndynastie ihre letzte Ruhestätte fanden. Die überwiegend aus Zinn angefertigten Sarkophage vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert weisen ornamentalen und figürlichen, dem Geschmack der damaligen Zeit gefälligen Schmuck auf. Seit den Tagen des sparsamen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. am Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die nunmehr hölzernen Särge sowohl mit Samt oder Brokat bezogen, als auch mit Tressen und ornamentalem Dekor versehen.    

Die Bronzegrabmäler der Kurfürsten Joachim I. Nestor und seines Vaters Johann Cicero

Von weit aus überdurchschnittlicher Qualität sind die jeweiligen Bronzegrabmäler des Kurfürsten Joachim I. Nestor und dessen Vaters Kurfürst Johann Cicero († 1499). Bevor das Grabdenkmal Johann Ciceros in die Hohenzollerngruft im Berliner Dom umgebettet worden war, befand es sich im märkischen Zisterzienserkloster Lehnin in der historischen Landschaft Zauche. Wir erinnern uns, dass es in der Epoche der Renaissance Usus geworden war, sich die Namen legendärer Helden oder antiker Philosophen als adelnde Beinamen zuzulegen. Verbreitet war die Vorstellung, dass sich bei der Wahl des Namens jener bedeutenden Männer, wie der des römischen Rhetors Marcus Tullius Cicero, auch dessen positive Charaktereigenschaften und Tugenden auf den Kurfürsten Johann Cicero übertragen würden. 

Das älteste Grabmal in der Hohenzollerngruft – das Bronzegrabmal Johann Ciceros

Der verzierte Sarkophag des Kurfürsten Johann Cicero. Es ist das älteste Grabmal in der Hohenzollerngruft.
Bild: Berlín Johann Cicero © Miguel Hermoso Cuesta / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Kurfürst Johann Cicero. Sein „Tischgrab“ von Vischer ist das älteste in der Hohenzollerngruft

Die Entstehungsgeschichte des Bronzegrabmals Johann Ciceros ist nicht eindeutig verifizierbar. Fest steht lediglich, dass es am Beginn des 16. Jahrhunderts bei der Vischerschen Gießhütte im fränkischen Nürnberg in Auftrag gegeben wurde. Der aus der berühmten Erzgießer- und Bildhauerfamilie Vischer stammende Hans (Johannes) Vischer fertigte das „Tischgrab“ Johann Ciceros an. Es ist von hervorragender Qualität und gilt als das Meisterwerk des fränkischen Künstlers. 

Die obere Platte mit der vollplastischen Liegefigur des brandenburgischen Regenten zeigt den gerüsteten und in einen reich gemusterten Mantel mit Hermelinkragen gehüllten Souverän, der ein Zepter, ein Schwert und einen Kurhut trägt, den kurfürstlichen Insignien seiner Macht. Am Plattenrand sind eine Inschrift und zehn Wappenschilder angebracht. Insgesamt wird die flache Platte von sechs Pfeilern mit davor thronenden Löwen getragen.

Die barocken Prunksarkophage des Bildhauers Andreas Schlüter

Zu einer Gruppe barocker Prunksärge zählen die Arbeiten des genialen Bildhauers Andreas Schlüter. Aufmerksame Buskompass-Leser besinnen sich, dass Schlüter nicht nur die phantasievollen Prunkhelme und die 22 Masken sterbender Krieger am sehenswerten Zeughaus Unter den Linden gestaltet hat, sondern dass er auch den barocken Altar in der Sankt Marienkirche in Berlin schuf.

Zu Andreas Schlüters berühmten Glanzstücken in der Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom gehören zweifelsohne seine Entwürfe der beiden vergoldeten Prunksarkophage für König Friedrich I. und dessen zweiter Gemahlin Sophie Charlotte von Hannover, die von seinem besten Schüler Johann Jacobi in einer Blei-Zinn-Legierung ausgeführt wurden. 

Die Prunksärge für Königin Sophie Charlotte und König Friedrich I. von Preußen

Ein prunkvoll verzierter Sarkophag der Königin Sophia Charlotte, zweite Frau von Friedrich I.
Bild: Ceremonial sarcophagus of Sophia Charlotte of Hanover (Berlin Cathedral)-3 © Yair Haklai / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Sarg von Königin Sophie Charlotte, der zweiten Gemahlin Friedrichs I., in der Hohenzollerngruft

Der prunkvolle Sarg der Königin Sophie Charlotte, der als ein fulminanter Höhepunkt barocker Sarkophaggestaltung angesehen wird, war in nur wenigen Monaten des Jahres 1705 zügig entstanden. 

Hingegen wurde die letzte bildhauerische Schöpfung Schlüters in Berlin, der Sarkophag des Königs Friedrich I., im Jahre 1713 möglicherweise nach einem bereits vorher durchdachten Gesamtplan geschaffen. 

An beiden Grabmälern entwickelt sich der figürliche und ornamentale Schmuck zu einer rauschenden Prachtentfaltung. Zwei reichgewandete weibliche Allegorien stehen an den jeweiligen Kopfenden der Sarkophage, die das bekrönte Bildnismedaillon der beiden Verstorbenen halten. An den einzelnen Längsseiten können wir ausdrucksstarke Reliefs erkennen, die historische und sinnbildliche Ereignisse darstellen. 

Auf dem Sarkophag Friedrich I. von Preußen halten weibliche Allegorien sein Bildnis hoch
Bild: Berlín Federico I 01 © Miguel Hermoso Cuesta / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Weibliche Allegorien halten das bekrönte Bildnismedaillon des Königs

Welfenrösser stützen am Grabmal, der in der Dynastie der Welfen geborenen Sophie Charlotte, plastische Kartuschen, die beim König von preußischen Adlern flankiert werden.  

Am Grabmal der Monarchin sitzt die in ein weites Gewand gehüllte Gestalt des Todes, die den Namen Sophie Charlotte, der erst 37-jährigen Verstorbenen, in das Buch der Ewigkeit einschreibt. 

Als Verzierung an einem Sarkophag schreibt die Gestalt des Todes die Namen der Verstorbenen ins Buch der Ewigkeit
Bild: Berliner Dom (6045940295) © Berit from Redhill/Surrey, UK / Wikipedia CC BY 2.0
Die Gestalt des Todes schreibt den Namen der Verstorbenen ins Buch der Ewigkeit

Am Sarkophag des Königs Friedrich I. kauern eine verzweifelte Trauernde und ein einzelner Putto, der einer entschwebenden Seifenblase, dem Zeichen der Vergänglichkeit, nachblickt.    

Der Sarkophag von Friedrich I. Als Zeichen der Vergänglichkeit schaut ein trauernder Putto einer Seifenblase nach
Bild: Ceremonial sarcophagus of Friedrich I of Prussia (Berlin Cathedral)-2 © Yair Haklai / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Am Grab des Königs schaut ein trauernder Putto einer Seifenblase nach

Zweifellos dokumentiert die Hohenzollerngruft, zusammen mit den Prunksarkophagen und den Grabdenkmälern im Berliner Dom, fünfhundert Jahre brandenburgisch-preußische Grabkultur.

Die grosse Kuppel des Berliner Doms mit seiner verzierten Spitze
Im Berliner Dom sind fünfhundert Jahre brandenburgisch-preußische Grabkultur zu bewundern
Foto: © Christian Klam

Hinweis

Berliner Dom, Am Lustgarten, 10178 Berlin-Mitte

Telefon: +49 30 20 26 91 36  

Anfahrt: Buslinien 100, 300 & N5, Haltestelle: Lustgarten, Entfernung 100 Meter

Öffnungszeiten: April-September täglich 9-20 Uhr, Oktober-März täglich 9-19 Uhr
Der Berliner Dom hat einen barrierefreien Zugang links vom Hauptportal.

Eintritt: Erwachsene 7 EUR, ermäßigt 5 EUR 

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

Ab dem 1. März 2020 ist die Hohenzollerngruft in den Gewölben des Berliner Doms für umfangreiche Bau- und Sanierungsarbeiten geschlossen.

Lesenswert

Engel, Helmut; (Hg): Die Gruft der Hohenzollern im Berliner Dom. Berlin 2005

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