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Das Regierungsviertel in Berlin

3 Min. Lesezeit
Der Sitz des Deutschen Bundestages im Regierungsviertel von Berlin Foto: © Karin Frucht

In diesen Tagen wird eine neue Bundesregierung gewählt. Deutschland bekommt einen neuen Kanzler und es gibt einen umfassenden Wechsel an der Spitze unseres Landes. Aber wo wird überhaupt regiert?

Als der Bundestag 1991 den Umzug nach Berlin beschloss, musste im großen Stil neu gebaut werden. Der Reichstag sollte wieder Sitz des Parlaments werden. Dieses historische Gebäude hatte zwar den Krieg überstanden – hier wurde 1918 die Weimarer Republik ausgerufen – war aber völlig verfallen. Im April 1945 hissten sowjetische Soldaten die rote Fahne auf dem ausgebrannten Gebäude. Mit dieser großen symbolischen Geste wurde der Sieg über Nazi-Deutschland markiert. Zuvor, 1933, war beim Reichstagsbrand ein Großteil des Gebäudes zerstört worden und die Nationalsozialisten nutzten dieses Ereignis, um von nun an hemmungslos Andersdenkende und alle, die ihnen nicht passten, zu verfolgen. 

In diesem historischen Terrain sollte nun Neues entstehen. Ein Wettbewerb wurde weltweit ausgeschrieben, der Größte für öffentliche Bauten, den es je gab. 835 Architekten bewarben sich um die Bauaufträge in Berlin. Deutschlands neue Regierungszentrale, aber auch Büros für die Abgeordneten sollten entstehen. Axel Schultes und Charlotte Frank erhielten den Zuschlag für die Gestaltung des Spreebogens und Stephan Braunfels gewann die Gestaltung des Paul-Löbe-Hauses und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses.

Eine Brücke über die Spree soll symbolisch Ost und West verbinden und bildet das Band des Bundes. Der Bau des Regierungsviertels begann 1995 und 1999 konnten die Abgeordneten einziehen.

Christo und Jeanne-Claude verhüllen den Reichstag

Doch zuvor, im Juni 1995, verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Reichstag in einer beispielhaft spektakulären und einzigartigen Kunst Aktion. Das über Jahrzehnte umstrittene Projekt war seit 1971 geplant gewesen und konnte endlich realisiert werden. Sagenhafte 5 Millionen Besucher kamen während dieser Zeit im Juni – es waren gerade mal 14 Tage, an denen die Verhüllung bestand –  zu diesem Fixpunkt. Und wer dabei gewesen ist, wird es nie vergessen. Tausende von Menschen kamen täglich aus aller Welt, um das umhüllte symbol- und geschichtsträchtige Gebäude zu sehen. Staunten, berührten die Stoffbahnen, den silbrig glänzenden Stoff, saßen auf Picknickdecken auf dem großen Rasen morgens, mittags, abends, nachts. Es war ein Sommermärchen. Ein Happening. Eine wirkliche Feier der Wiedervereinigung. In der Stadt, die es manchmal so schwer mit sich selbst hat,  gab es plötzlich viel gute Laune und eine Art von Zeitlosigkeit, die durch den Moment bestimmt war.

Das eingeschossige Paul-Löbe-Haus mit einer grossen Glasfassade, rechts daneben der Reichstag
Das Paul-Löbe-Haus im Regierungsviertel von Berlin
Foto: © Karin Frucht

Das Paul-Löbe-Haus ist nach dem Präsidenten des Reichstages und Alterspräsidenten des ersten Bundestags benannt. Hier sind Büros der Abgeordneten, Sitzungssäle und die zentrale Besucherbetreuung. Besonders prägnant ist die Glasfassade an der Westseite. 

Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus befindet sich das wissenschaftliche Dienstleistungszentrum des Deutschen Parlaments. Die Namenspatronin war Sozialpolitikerin und setzte sich schon früh für Frauenrechte ein. Hier ist auch die Parlamentsbibliothek.

Das Band des Bundes

Im Hintergrund das zweigeschossige Kanzleramt im modernen Stil, davor eine Rikscha-Fahrerin mit Touristen
Das Kanzleramt im unverkennbaren postmodernen Stil
Foto: © Karin Frucht

Zum Band des Bundes gehört natürlich auch das Kanzleramt. Es wurde während Helmut Kohls Amtszeit (1982- 1998) im postmodernen Stil entworfen und gebaut. Lichtdurchflutet, offen, transparent sollte es sein – ein gewisses Gegenstück zum historischen Reichstag. Ein neues Haus. Ich finde, es ist zu groß geworden. Im Volksmund wird es auch Kohls Waschmaschine genannt. Mir persönlich war der bescheidene Baustil der alten Bundesrepublik in Bonn lieber – aber machen Sie sich selbst ein Bild.

Die Anreise mit dem Bus ist einfach. Jedes Jahr gibt es einen Tag der Offenen Tür, bei dem das Bundeskanzleramt allen Bürgern offen steht.

Das Gebäude des Reichstages, heute der Sitz des deutschen Bundestages, hat durch die gläserne Kuppel des Architekten Sir Norman Foster spektakuläre Leichtigkeit erlangt. Laufen Sie einmal selbst hinauf! Die Kuppel ist begehbar und man hat einen tollen Panoramablick über die Hauptstadt. Anschließend kann man auf dem Dachgarten im Restaurant Käfer frühstücken. Als einziges Parlamentsgebäude weltweit beherbergt der Deutsche Bundestag ein Dachgartenrestaurant. Naturgemäß muss man sich zu beidem anmelden. 

Die Zugänge zu den Regierungsgebäuden sind barrierefrei.

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Die Internetseite des Deutschen Bundestages

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