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Das Interieur der Brandenburger Sankt Katharinenkirche 

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Bild: BRB-Katharinen-Kirchenraum © SchiDD / Wikipedia CC BY 3.0
Das Interieur der Brandenburger Sankt Katharinenkirche

Nachdem wir die äußere Architektur der in der Brandenburger Neustadt gelegenen Sankt Katharinenkirche bewundert haben, möchten wir das reiche Interieur des spätgotischen Gotteshauses anschauen.
Uns erwarten eine farbenprächtige Ausmalung, der Hoch- und Hedwigsaltar, die größte Orgel des Landes Brandenburg, die Kanzel sowie zahlreiche Epitaphe im Inneren von Sankt Katharinen.  

Die prunkvolle Ausstattung, das Interieur der Kirche Sankt Katharinen belegt den damaligen Wohlstand in der Neustadt von Brandenburg an der Havel. Neben der reichen Innenausstattung mit ihren bedeutenden Kunstwerken ist die mittelalterliche Wand- und Deckenmalerei besonders beeindruckend für den staunenden Besucher.

Der Blick hoch hinauf in das mit floralen Motiven geschmückte Kirchengewölbe
Bild: St.-Katharinenkirche Innen Brandenburg 12 © Clemensfranz / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Blick hoch hinauf in das mit floralen Motiven geschmückte Kirchengewölbe

In den 1980er Jahren konnte die spätgotische Ausmalung des 15. Jahrhunderts zunächst freigelegt, fast lückenlos gesichert und anschließend wiederhergestellt werden. Dazu gehört ein weißes Fugennetz auf rotem Grund. Wobei die Gewölbefelder und die Gewölberippen vielfältige florale Formen aufweisen. Hingegen sind die Basen, die schlanken Säulen, sogenannte Dienste, und die oberen Teile des Gewölbes, die Kämpfer, grau abgesetzt. Im zentralen Chorgewölbe werden die gotischen Gewölbebemalungen durch einzelne Heiligendarstellungen und groteske Fabelwesen bereichert, die auch Drôlerien genannt werden. 

Das Gesicht eines Fabelwesens, das die Zunge herausstreckt, als Gewölbebemalung
Bild: St.-Katharinenkirche Innen Brandenburg 07 © Clemensfranz / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Eines der Fabelwesen der Gewölbebemalung, die sogenannten Drôlerien

Der große Hochaltar von Meister Gerard Weger im Chor des 15. Jahrhunderts 

Der vierflüglige geschnitzte Hochaltar der Sankt Katharinenkirche von Gerard Weger
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hochaltar 1 © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Hochaltar der Sankt Katharinenkirche von Gerard Weger aus dem 15. Jahrhundert

Im Chor beziehungsweise im Langhausmittelschiff erhebt sich der imposante Hochaltar, ein vierflügliger Schnitzaltar, der Sankt Katharinenkirche. Auf der mittelalterlichen Mensa, dem von einem Bischof konsekrierten Altartisch, steht die Predella, ein flacher Sockel, in dem fünf Szenen der Katharinenlegende dargestellt sind. Darüber befindet sich der geschnitzte Altaraufsatz, das mit Heiligenfiguren geschmückte Retabel, das zwei Flügelpaare aufweist. 

Der vergoldete Schrein mit der Madonna mit Kind im Mittelpunkt
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hochaltar 1a Schrein © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Im vergoldeten Schrein nimmt die Madonnenfigur die zentrale Position ein

Im mittleren vergoldeten Schrein erkennen wir unter reichen Baldachinen als primäre Schnitzfigur die Madonna, die zwischen vier Heiligen – links Katharina und Andreas sowie rechts Amalberga und Ägidius – steht. In den beiden Flügeln sind jeweils vier Reliefs der Kindheit Jesu zu sehen. In der ersten Wandlung werden farbige Szenen aus dem Leben der heiligen Katharina und der heiligen Amalberga abgebildet. Hingegen wird auf den Außenseiten der Altarflügel die Passion Christi, der überlieferte Leidensweg des Gottessohnes, wiedergegeben. 

Ein Rlief aus dem Zieraufsatz über dem Hochaltar zeigt die Kreuztragung Christi
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hochaltar 4b Gesprenge Kreuztragung © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Das Relief der Kreuztragung Christi befindet sich im Gesprenge, dem Zieraufsatz oberhalb des Hochaltars

Im sogenannten Gesprenge, dem geschnitzten Zieraufsatz oberhalb des gotischen Hochaltars, befindet sich unter dem mittleren Bogen das ausdrucksstarke Relief der Kreuztragung Christi nach Golgatha. Jeweils seitlich davon sind Christus vor Pontius Pilatus, dem Präfekten des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa, und eine Szene aus der Vorhölle oder dem äußersten Kreis der Hölle bildnerisch gestaltet. Darüber können wir zwischen Engeln und Propheten die zentrale Kreuzigungsgruppe auf dem historisch nicht eindeutig identifizierten Kalvarienberg außerhalb des antiken Jerusalem ausmachen. 

Eine andere Szene im Zieraufsatz Eine andere Szene zeigt Christus mit Pontius Pilatus
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hochaltar 4c Gesprenge Pilatus © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Eine andere Szene im Gesprenge zeigt Christus mit Pontius Pilatus

Der mittelalterliche Meister des großen Hochaltars Gerard Weger hat sich an einer versteckten Stelle seines großartigen Werks mit seinen beiden Initialen und der Jahreszahl 1474 verewigt. Erste Restaurierungen des imposanten Altars fanden bereits im 19. Jahrhundert und nach 1945 statt.

Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Orgel des Orgelbauers Joachim Wagner 

Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Kirchenorgel
Bild: Brandenburg St. Katharinen Orgel (3) © Gemeinholzer / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die prächtige Orgel stammt aus dem 18. Jahrhundert

Der brandenburgische Orgelbauer Joachim Wagner hatte am Beginn des 18. Jahrhunderts die prächtige Orgel in der Neustädter Kirche Sankt Katharinen konstruiert. Mit Sicherheit gehört ihr von Johann Georg Glume stammendes Barockgehäuse zu den schönsten in ganz Deutschland. 

Bildhauer Glume hat auch das vom preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in Auftrag gegebene Sandsteindenkmal für den volkstümlichen Großen Kurfürsten im havelländischen Rathenow angefertigt, über das unser Buskompass-Autor bereits berichtete. 

Am Ende des 19. Jahrhunderts baute der aus Frankfurt an der Oder kommende Orgelbauer Wilhelm Sauer ein neues mechanisches Werk in das vorhandene Gehäuse von Glume ein. Anschließend erneuerte in den 1930er Jahren die renommierte Potsdamer Orgelbaufirma Alexander Schuke die Orgel in Sankt Katharinen. Schließlich wurde die mit beinahe 6400 Orgelpfeifen ausgestattete größte Orgel des Landes Brandenburg in den Jahren 2019/20 noch einmal von der Orgelbaufirma Schuke umfassend restauriert. Insgesamt betrugen die Gesamtkosten der Sanierung stolze 925.000 Euro.

Die im 17. Jahrhundert gestiftete Kanzel im Langhausmittelschiff

Am Aufsatz der Kanzel halten Engelsfiguren die Leidenswerkzeuge
Bild: Brandenburg St-Katharinenkirche 15 (MK) © Mathias Krumbholz / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Am Aufsatz der Kanzel halten Engelsfiguren die Leidenswerkzeuge

In der Mitte des Langhauses ist am dritten nördlichen Pfeiler die im Jahre 1668 von Matthäus Hesse und dessen Ehefrau Magdalena Kramer gestiftete Kanzel angebracht. Es handelt sich um einen polygonalen, von der stattlichen Figur des Missionars Paulus von Tarsus gestützten Korb. An der einheitlich gestalteten Treppe sind bewegte Schnitzfigürchen Christi und der Apostel dargestellt, die in kleinen Muschelnischen zwischen gewundenen Säulen stehen. 

Der Schalldeckel mit seiner durchbrochenen Laterne, einem turmartigen Aufsatz, ist von mehreren die Leidenswerkzeuge haltenden Engeln umgeben. Es soll erwähnt sein, dass die Darstellung der Leidens- oder Passionswerkzeuge Jesu Christi seit dem ausgehenden Mittelalter in der christlichen Ikonographie gängig geworden war. Bekrönt wird die Kanzel durch den auferstandenen Heiland. Mehrere Restaurierungen erfolgten im frühen 18. und zweimal im 20. Jahrhundert.

Der im 15. Jahrhundert angefertigte Hedwigsaltar in der südlichen Schöppenkapelle

Der im 15. Jahrhundert angefertigte Hedwigsaltar mit der Figur der Heiligen Hedwig zwischen den beiden Schutzpatronen gegen die Pest
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hedwigsaltar 1 © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der im 15. Jahrhundert angefertigte Hedwigsaltar befindet in der Schöppenkapelle

Bei dem in der südlichen Schöppenkapelle befindlichen Hedwigsaltar handelt es sich um einen niederländisch beeinflussten Flügelaltar aus der Zeit um 1480. Er wurde in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts restauriert. 

An dem flachen hölzernen Sockel, der Predella, zwischen den hochformatigen Heiligenbildern von Anna selbdritt, der trauernden Schmerzensmutter und des heiligen Antonius von Padua, sind tafelartige Streifenkompositionen christologischer Szenen wiedergegeben.  

Christologische Szenen finden sich an dem hölzernen Sockel des Altars.
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hedwigsaltar 4 Predella © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Christologische Szenen finden sich an dem hölzernen Sockel, der Predella

Im mittleren Schrein sehen wir unter einem filigranen Baldachin die drei Schnitzfiguren der heiligen Hedwig von Schlesien zwischen den beiden Schutzpatronen gegen die Pest oder den Schwarzen Tod, den heiligen Adrianus von Nikomedien sowie den heiligen Rochus von Montpellier. Alle drei Heiligen wurden vor einem blau bemaltem und mit plastischen Kanten versehenen Brokatvorhang drapiert. 

Auf einem der beiden Flügel befindet sich eine Malerei der Hochzeit der heiligen Hedwig
Bild: Brandenburg Katharinenkirche – Hedwigsaltar 3a Heirat Hedwigs © Wolfgang Sauber / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Auf einem der beiden Altarflügel befindet sich eine Malerei der Hochzeit der heiligen Hedwig

Auf den beiden Flügeln des Altars sind hochwertige Malereien aus der Hedwigslegende beziehungsweise aus dem Leben Christi dargestellt. Außen links erkennen wir tradierte Szenen der Rochusvita, rechts können wir die Adrianuslegende und die legendäre Gregorsmesse bewundern. Die sogenannte Gregorsmesse war ebenfalls ein gern verwendetes Bildthema der christlichen Ikonographie des ausklingenden Mittelalters. Nach der althergebrachten Legende hatte Papst Gregor I., der Große, bei der Feier der Heiligen Messe eine bildhafte Vision von der Erscheinung des leibhaftigen Christus als Schmerzensmann mit den Leidenswerkzeugen gehabt.

Ein Höhepunkt der Grabkunst – das Renaissance-Wandepitaph für den Ritter Berndt von der Schulenburg und dessen Familie

Das Renaissance-Wandepitaph für den Ritter Berndt von der Schulenburg und dessen Familie aus Sandstein
Bild: Brandenburg St-Katharinenkirche 20 (MK) © Mathias Krumbholz / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Renaissance-Wandepitaph für den Ritter Berndt von der Schulenburg und dessen Familie aus Sandstein

Einen fulminaten Höhepunkt der Grabkunst in Sankt Katharinen bildet das prunkvolle Renaissance-Wandepitaph für den brandenburg-preußischen Ritter Berndt von der Schulenburg (†1601) und dessen Familie. Der aus Sandstein von bemerkenswerter Qualität angefertigte Epitaph wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts restauriert. Bei dem versierten Künstler dürfte es sich sehr wahrscheinlich um den in Magdeburg an der Elbe geborenen Bildhauer und Steinmetz Christoph Dehne (*1575) gehandelt haben, der auch das im Brandenburger Dom Sankt Peter und Paul befindliche Epitaph für den Domherren Adam von Königsmarck geschaffen hat. Der aufmerksame Betrachter des Grabdenkmals in Sankt Katharinen sieht sich einem mehrgeschossigen Architekturaufbau mit antiken Doppelsäulen, Beschlagwerk und reichem Figurenschmuck gegenüber. Wobei der porticusähnliche Aufbau des Schulenburger Epitaphs eindeutig in wohl proportionierten Renaissanceformen ausgeführt wurde. Im Vordergrund des konzentrierten Besuchers befinden sich die vollplastischen, lebensgroßen und knienden Figuren der Stifterfamilie, während im Hintergrund einige Statuetten sowie an der Rückwand eine Schattenbemalung zu sehen sind. Im Mittelpunkt des Wandepitaphs befindet sich das zentrale Relief mit der Auferstehung Christi am dritten Tag nach seiner Kreuzigung. In den beiden seitlichen Nischen sind Christus Salvator mundi, der Erlöser der Welt, und Johannes der Täufer zu erkennen. Über dem jeweiligen klassischen Säulenpaar sind die herrschaftlichen Wappen derer von Quitzow und von der Schulenburg zu sehen. Aus der in der Altmark bei Salzwedel ansässigen Adelsfamilie von der Schulenburg entstammten Feldmarschälle, Generäle, preußische Offiziere, Staatsminister und Bischöfe. Zwei Angehörige des Geschlechts, Fritz-Dietlof und Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, gehörten zum Verschwörerkreis des 20. Juli 1944. Sie wurden nach dem gescheiterten Attentat gegen den Diktator Hitler in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Brandenburg an der Havel – Südpunkt der Europäischen Route der Backsteingotik

Die alte Hanse- und Fernhandelsstadt Brandenburg an der Havel bildete im Spätmittelalter den unbestrittenen Knotenpunkt zwischen Elbe und Oder. Heute ist sie die südlichste deutsche Stadt, die an der Europäischen Route der Backsteingotik liegt. Neben der in der Brandenburger Neustadt gelegenen Sankt Katharinenkirche sind der Dom Sankt Peter und Paul, das Altstädtische Rathaus mit dem Roland, die Sankt Gotthardtkirche, das ehemalige dem Orden der Dominikaner gehörende Kloster Sankt Pauli und weitere mittelalterliche Gebäude ansehenswerte gotische Bauwerke in der langlebigen Havelstadt.

Bevor wir mit unserem Reisebus weiterfahren, können wir uns im Caféhaus Pauline sammeln und ausruhen.

Hinweis

Sankt Katharinen ∙ Katharinenkirchplatz 2 ∙ 14776 Brandenburg an der Havel (Neustadt) ∙ 
Telefon: 0 33 81 / 52 11 62
geöffnet: Mo-Sa 11-15 Uhr ∙ Sonn- und Feiertage 13-16 Uhr

Café Pauline ∙ Neustädtische Heidestraße 28 ∙ 14776 Brandenburg an der Havel (Neustadt)∙  Telefon: 0 33 81 / 8 04 88 04
geöffnet: Di-So 10-18 Uhr ∙ Frühstück 10-12 Uhr ∙ Mittagsimbiss 12-14 Uhr ∙ Abendbrot ab 16 Uhr

Lesenswert

Zaske, Nikolaus: Hinrich Brunsberg, in: Große Baumeister, hg. von Ule Lammert, Berlin 1990, Band 2

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