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JENA VOR UNS IM LIEBLICHEN TALE

4 Min. Lesezeit
Theaterhaus Jena von oben Foto © Joachim Dette

Die Stadt liegt an der Thüringischen Saale, umgeben von Muschelkalkhängen und viel Grün. Es leben 111 000 Einwohner, davon 16 000 Studierende, in Jena. Luther, Goethe, Schiller, Zeiss und Abbe haben ihre Spuren mit der Reformation, der Gründung der Universität 1558, Goethes und Schillers Freundschaft und der Gründung der Zeisswerke hinterlassen. Es lebt sich gut in Jena! Und es gibt noch vieles mehr.

Jena vor uns im lieblichen Tale„, schrieb meine Mutter von einer Tour auf einer Karte vom Ufer der Saale, sie war in Kösen im Sommer zur Kur; „nun längst vergessen, erloschen die Ahne, selbst ihre Handschrift, Graphologie, Jahre des Werdens, Jahre der Wahne, nur diese Worte vergesse ich nie…“ Dies Gedicht schrieb der Dichter Gottfried Benn im Jahr 1926, veröffentlicht in der Zeitschrift „Der Querschnitt“. Es beschreibt eine Ahnung, einen leisen Wind, eine Sehnsucht.
Denn Jena ist mehr. Jena – das Kalifornien der Neuen Länder, so schrieb einmal  ein Hamburger Nachrichtenmagazin. Jena ist eine junge Stadt. Schon gleich am Busbahnhof begegnet man vielen Menschen mit Kinderwagen. Der Bahnhof für den ICE heißt Paradies, benannt nach dem angrenzenden Park. Es weht ein leichter, ein frischer Wind in Jena. Die Stadt hat eine positive Ausstrahlung und man kann sagen, Jena ist eine Stadt der Macher, der Macherinnen.

Nicht nur, dass in der Stadt als erstes 2019 die Maskenpflicht wegen der Corona-Pandemie eingeführt  wurde, die dann bundesweit kam – in Jena liegt man immer vorn: sachlich, praktisch, entschlossen.

Wenn ich zu meiner Freundin Christine, einer viel beschäftigen Ärztin, Chefin einer großen Hautarztpraxis, in ihr traumhaft verwunschenes Häuschen auf einem Jenaer Hügel komme, fragt sie als erstes: „Karin, willst Du einen Sekt? Oder willst Du einen Sekt mit Erdbeeren?“ Hier weiß man zu leben – dann, nachdem wir gemütlich die Neuigkeiten ausgetauscht haben, sagt sie: Ich muss jetzt noch was am Schreibtisch arbeiten – aber heute ist KulturArena. Kommst Du mit?

Die KulturArena in Jena mit dem Theaterhaus im Hintergrund
Bild: Kulturarena Jena © Jenakultur jena / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die KulturArena in Jena mit dem Theaterhaus im Hintergrund

Sechs Wochen lang zieht die KulturArena als internationales Open-Air-Festival Besucher in das Jenaer Zentrum, wo Konzerte, Film, Theater und Musik im besonderen Ambiente auf sie warten. Bereits seit 1992 immer im Juli und August. Hier in der Innenstadt sollte ein kultureller Treffpunkt mit nicht unbedingt kommerziellen Künstlern geschaffen werden. War die KulturArena anfangs noch überschaubar, gehört sie mittlerweile mit ihren ca. 70 000 Besuchern zu Ostdeutschlands größten Open-Air-Veranstaltungen. Hier trifft sich im Sommer die ganze Stadt. Bei Getränken und frisch Gegrilltem zu zivilen Preisen kann man in Jena paradiesische Sommerabende verbringen.

Udo Lindenberg sang 1976: „Wann sehen die Herren endlich mal klar – und baun die Rock’n’ Roll Arena in Jena?“ Die damals schier unerreichbare Utopie ist tatsächlich wahr geworden! 

Wer Aquarelle von Udo Lindenberg und andere zeitgenössische Kunst erwerben möchte, findet diese in der Galerie Kunstraum Jena. Meine Jenaer Freundin Marina Zollmann ist die Besitzerin und vermittelt Kunst, die man sich „zu Hause an die Wand hängen kann“. Auch James Rizzi, Otto Waalkes, Armin Mueller-Stahl. „Kunst wischst den Staub des Alltags von der Seele“, getreu dieses Bonmots von Pablo Picasso arbeitet die Galerie und es lohnt sich, sie aufzusuchen.

Wenn es jetzt Abend wird und keine Kulturarena ist, kann ich mit meinen Freundinnen Christine und Marina ins Theaterhaus gehen. Es ist das Theater der Stadt Jena, ein Ort, an dem sich Jung und Alt trifft. Nachdem das alte Theatergebäude, immerhin ein Bau von Walter Gropius von 1922, im Jahre 1987 abgerissen worden war, fand sich nach dem Mauerfall 1989 eine Gruppe, die die verbliebene Ruine, das „Theater auf der Hinterbühne“, bespielte. Dies war in der Folgezeit ein wichtiger Ort für die freie Szene. 1991 wurde dann das Theaterhaus Jena so benannt und es gab mehr und mehr Programm. 1997 eröffneten sie zum ersten Mal das Sommerfestival KulturArena Jena, das von nun an in den Sommermonaten den Theatervorplatz belebt. Von 1998 bis 1999 wurde die Theaterhaus-Ruine saniert und seither ist das Theaterhaus aus dem Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. 2014 wurde ein Anbau gemacht für Werkstätten, Büroräume und eine neue Probebühne. Seit der Spielzeit 2018/19 leitet das niederländische Theaterkollektiv Wunderbaum das Haus. Sie bringen vielfältige europäische Einflüsse in die Stadt und reflektieren nach dem Motto „Theater muss Spaß machen“ auf komödiantische Weise unverblümt und mit charmantem Augenzwinkern kritisch-nachdenklich das Leben. Unbedingt sehenswert!

 Die Laube in Schillers Gartenhaus in Jena
Bild: Schillers-Gartenhaus03 © Selby / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Schillers Gartenhaus in Jena. Hier fanden Gespräche mit Goethe und anderen Berühmtheiten statt

Friedrich Schiller schrieb ab 1797 in seinem Gartenhäuschen, das heute im Schillergässchen liegt, zahlreiche Balladen und einige seiner weltberühmten Dramen: „Wallenstein“, Teile von „Maria Stuart“ und die „Die Jungfrau von Orleans“. Uraufgeführt wurden sie aber in Weimar und anderen Residenzstädten mit prunkvollen, von Herzögen um die Jahrhundertwende errichteten Theaterbauten. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller verband in diesen Jahren eine innige Freundschaft. Die gemeinsame Arbeit am eigenen Werk einte sie. Den Austausch von Gedanken und Empfindungen zu befördern,  war der erklärte Zweck der mehr als zehnjährigen Freundschaft, die mit dem Tod Schillers 1805 endete. Am Steintisch im Gartenhaus fanden abendliche Gespräche mit Goethe statt, der bei seinen Besuchen in Jena fast täglich Schiller im Garten besuchte.

In Jena lebte Friedrich Schiller länger als irgendwo sonst – nämlich von 1789 bis 1799. Der Dichter und zunächst unbesoldete Professor der Geschichte bewohnte insgesamt fünf Häuser – leider ist nur noch sein Gartenhäuschen zu besichtigen.

Es ist immer inspirierend, bereichernd und belebend, die Tage in Jena zu verbringen. Mit Christine, Marina und den anderen Freunden.

Und noch ein Tipp: Das Normannenhaus zu Jena – eine imposante, neoromanische Villa im Zentrum der Stadt. 1898 erbaut, wurde sie 2017 von privater Hand denkmalgerecht saniert und renoviert. Hier finden Konzerte, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen und Tagungen statt. Das Haus und der romantische Garten sind als Ganzes für private und öffentliche Feiern zu mieten – für alle die etwas Besonderes mögen! Für busreisende Gesellschaften gibt es extra Führungen in dieses liebevoll renovierte Kleinod.

Link

www.theaterhaus-jena

Hinweise

www.kunstraumjena.de

www.normannenhaus-jena.de

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