BerlinGeschichteIndustrie und Handwerk

DIE KÖNIGLICHE PORZELLAN-MANUFAKTUR BERLIN

2 Min. Lesezeit
Die Königliche Porzellan - Manufaktur - KPM - in Berlin Foto: © Karin Frucht

Die Monarchie ist abgeschafft – dennoch gibt es in Berlin die Königliche Porzellan-Manufaktur. Man kann die Schauwerkstätten mit den alten Brennöfen besichtigen und lernt einiges über die Geschichte Berlins kennen.

Schönes Essgeschirr ist wichtig. Alltagskultur. Gibt Alltäglichem Individualität und Wert, den besonderen Platz. Auch den Rahmen und Verlässlichkeit, zeigt Sinn für Stil und Handwerkskunst.  Porzellan gibt es in vielen Haushalten. Es wird oft über Generationen vererbt. Heutige Erben tun sich damit mitunter etwas schwerer, denn wo werden noch Kaffeetafeln für vierundzwanzig Personen veranstaltet? Wer hat soviel Platz? Andererseits sind diese Service Schätze des Familiengedächtnisses. Was haben sie nicht erlebt zu Festessen, Geburtstagen, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Heiligen Abenden. Freud und Leid. Was könnte eine Kaffeekanne erzählen? Man kann glücklich sein, Porzellan zu erben. Aber wohin damit? Jede Generation möchte zudem ihre eigene Tradition schaffen. Und wenn man denn Geschirr erbt, ist man selbst mindestens im mittleren Alter und hat genug Eigenes. Man hat gern ein oder zwei Stücke als Erinnerung, auch zu einem besonderen Anlass – aber selten benötigt man vierundzwanzig Teile und vier Mal jeweils sechs Teile: Meißner – Streublümchen, Zwiebelmuster und Weinlaub. Es lohnt sich dennoch, die Geschichte des Porzellans am Beispiel des Berliner Porzellans einmal anzuschauen.   

Berlin, Wegelystraße 1

Eine Reihe von weißen Porzellanvasen in einem Brennofen
So wurde Porzellan im Brennofen gebrannt
Foto: © Karin Frucht

In der Mitte Berlins, am Rande des Tiergartens liegt zwischen Siegessäule, der S- Bahn und Schloss Bellevue die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Hier gibt es Schauwerkstätten zu besichtigen, man kann eine Tour zur Porzellan-Herstellung buchen und natürlich gibt es ein Cafe für Kuchen und andere Leckereien. Außerdem die beliebte 2. Wahl Verkaufsstelle  – hier ist Porzellan ohne wirklich sichtbare Herstellungsfehler zu reduzierten Preisen erwerben. Meine Familie und ich, mitunter weit verzweigt über das Land, gehen hier seit Generationen einkaufen. Die weiße Porzellanserie Kurland hat es uns aus irgendwelchen unabgesprochenen Gründen angetan. Es ist schön, klassisch, alltagstauglich und stabil. Die Teller kann man täglich benutzen. Sie sind nicht empfindlich und halten viel aus.  

Die Königliche Porzellan Manufaktur wurde 1763 durch Friedrich dem Großen gegründet. Er übernahm sie von dem vielseitigen Berliner Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky.  Dieser hatte wiederum Bestände, Werkzeuge und Materialien 1757 von Wilhelm Caspar Wegely abgekauft, da der in Folge des Siebenjährigen Krieges bankrott war. Das „weisse Gold“, wie man Porzellan auch nennt, war eine Leidenschaft des „Alten Fritz“.  Das kobaldblaue Zepter ist seither das Porzellan Signet.

Ein Stromkasten, auf dem ein Porträt des Alten Fritz gemalt ist. In einer Sprechblase steht "Handmade in Berlin since 1763." An einem zweiten Stromkasten steht das Kürzel KPM
Der Alte Fritz macht höchstpersönlich Werbung
Foto: © Karin Frucht

1790 gab Peter Biron Herzog von Kurland ein Tafelservice in Auftrag, das es erstaunlicherweise noch heute gibt. Es wurde zu einem der größten Erfolge der Firma. Kurland wird bei mir jeden Tag verwendet. 

Die KPM Berlin wurde daraufhin zu einem Musterbetrieb:  Es gab geregelte Arbeitszeiten, überdurchschnittliche Bezahlung, gesicherte Renten, eine eigene Betriebskrankenkasse, Versorgung von Witwen und Waisen  und keine Kinderarbeit. Ziemlich beispiellos für diese Zeit. Die Arbeitsabläufe wurden rationalisiert, die Techniken perfektioniert. Die KPM wurde, was sie heute ist. Handarbeit ist die Basis des Unternehmens und Erfolges.

Es gibt natürlich auch Porzellan in zeitgenössischem Design: Große Tassen in den Farben der Berliner Bezirke, Latte Macchiato Becher und Currywurstschalen, die man aus Pappe kennt, in Porzellan.

Im KPM Quartier befinden sich drei Hotelanlagen, die KPM Hotel & Residences, mit Angeboten im oberen, mittleren und niedrigen Preissegment. Hier kann man direkt mit dem Bus ankommen und zugleich im Grünen und mitten in der Stadt wohnen. 

Der Berliner Privatbankier Jörg Woltmann rettete so mit seinem finanziellen Engagement und der Geschäftsidee, Hotels, Wohnungen und die traditionsreiche Porzellanmanufaktur in einem Unternehmen zu verbinden, den ältesten noch produzierenden Handwerksbetrieb in Berlin.

Link

www.kpm-berlin.com

Zusammenhängende Posts
BerlinPersönlichkeitenTheater

Das KungerKiezTheater in Treptow - ein Berliner Off-Theater für alle 

Wo gibt es in Berlin Möglichkeiten für kreative Entfaltung für alle? Wo kann man Theaterspielen? Wo findet man eine Oase in der…
ArchitekturGeschichteSachsen

Der Stallhof in Dresden – ehemaliger Turnierplatz umgeben von Renaissancearchitektur

Das Visier wird heruntergeklappt. Das Pferd schnaubt. Die Lanze wird gestreckt. Ein Wettkampf um Preis, Ehre und Ruhm! Wir laden Sie ein,…
ArchitekturBrandenburgGeschichtePersönlichkeiten

Burg Rabenstein im Hohen Fläming

Nach unserem Besuch der Belziger Burg Eisenhardt wollen wir per Reisebus die nur 15 Autominuten entfernt gelegene Burg Rabenstein anschauen, deren abwechslungsreiche…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

×
BerlinGeschichte

SCHLOSS BELLEVUE – DER AMTSSITZ DES BUNDESPRÄSIDENTEN