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Wolfshagen und die Ruine der Blankenburg im Lenné-Park (II) 

4 Min. Lesezeit
Bild: Wolfshagen Blankenburg © Doris Antony, Berlin / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die Ruine der Blankenburg im Lenné-Park

Nach unserem Besuch der durch Graf Hermann von Schwerin gestifteten Denkmäler im Lenné-Park blieb eine Sehenswürdigkeit unbesichtigt: die auf einer Insel im Haussee errichtete Blankenburg.
Unser Autor berichtet von der Architektur, von der Geschichte und von den Eigentümern des Feudalsitzes in der Grenzregion zwischen Brandenburg, Mecklenburg und Pommern.

Am stillen Ufer des im Lenné-Park gelegenen Wolfshagener Haussees führt ein rund zwei Kilometer langer Wanderweg um das malerische Gewässer herum. An einigen Stellen ist der Weg gut gepflegt, an anderen müssen sich unternehmungslustige Ausflügler doch ein wenig durch das dichtere Gebüsch schlagen. Dennoch ist die ausgeschilderte Wanderroute zu einer weiteren interessanten Sehenswürdigkeit des Lenné-Parks begehbar. Kaum zu übersehen, liegt die inmitten des hübschen Parks befindliche Burgruine vor unseren Augen.

Die Architektur des in der Mitte des 13. Jahrhunderts auf einer Insel im Haussee erbauten Feudalsitzes  

Die Ruine der Burg Blankenburg mit dem Turm und einen Rest der Außenmauern
Bild: Blankenburg2 © Norbert Radtke / Wikipedia CC0 1.0
Die Relikte der Burg Blankenburg auf dem Burghügel

Der heute als Blankenburg bezeichnete und auf einer kleinen Insel im Haussee errichtete Feudalsitz wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Genauer gesagt liegt die jetzige Burgruine auf einem künstlich angelegten, etwa vier Meter hohen Burghügel. Darüber hinaus ist der von einem acht Meter breiten Wassergraben umgebene Burgberg annähernd rechteckig. Seine teilweise noch erhaltene Ringmauer umschloss einst eine Fläche von circa 36 x 28 Metern. 

Wir erkennen zudem die steinernen Relikte einer aus der westlichen Ringmauer herausragenden Bastion, bei der es sich vielleicht um einen mittelalterlichen Torturm gehandelt hat. Der hohe, wahrscheinlich früher als unbewohnter Bergfried zu bezeichnende Eckturm mit seinem runden Oberbau steht in der Südwestecke der einstmals wehrhaften Befestigungsanlage.

Die Herren von Raben – Erbauer der mittelalterlichen Burg im Grenzgebiet zwischen Brandenburg, Mecklenburg und Pommern

Ein Detail der Grabplatte von Margaretha Hedewig von Raben, das das Wappen zeigt
Bild: Dobbertin Klosterfriedhof Grabplatte Margaretha Hedewig von Raben Wappen 2012-03-23 497 © NiteshiftKlostermönch / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Stammwappen der Familie von Raben auf dem Grab der Margaretha Hedewig von Raben

Die tatkräftigen Erbauer der in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten Burg war die mecklenburgische Uradelsfamilie der Herren von Raben, deren Stammwappen von einem flugbereiten gekrönten schwarzen Raben mit einem goldenen Ring im Schnabel geziert wird. Ihre Zitadelle ist eine typische Grenzburg. Da es in jener unruhigen Zeit immer wieder zu blutigen und lang andauernden Grenzkonflikten zwischen der Mark Brandenburg, Mecklenburg und Pommern kam, war der Standort des Wehrbaus strategisch klug ausgewählt worden. Die Lage des direkt in Grenznähe befindlichen und gewappneten Feudalsitzes prädestinierte ihn zu einer der bedeutendsten brandenburgischen Befestigungen im äußersten Norden der Uckermark. 

Für das Ende des 14. Jahrhunderts ist es urkundlich belegt, dass die grenzsichernde Festung nunmehr von der lehenspflichtigen Familie derer von Blankenburg bewohnt wurde, nach der sie bis heute auch Blankenburg genannt wird. 

Die wankelmütigen Herren von Blankenburg und ihr Souverän, Kurfürst Friedrich II. der Eiserne von Brandenburg

Eine Statue von Friedrich II., dem sogenannten Eisernen Kurfürsten
Bild: Friedrich II. (Brandenburg) Siegesallee Zitadelle © Lienhard Schulz / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Kurfürst Friedrich II. der Eiserne oder Eisenzahn

Die Blankenburger Herren waren eine alte Adelsfamilie aus der Uckermark, die auch in Mecklenburg, Pommern und in der Neumark jenseits des Flusses Oder festen Fuß fassen konnten. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts waren sie als ritterliche Lehnsherren der Kurfürsten von Brandenburg auch auf der uckermärkischen Blankenburg ansässig. Allerdings wurde die stark befestigte Burg in der Mitte des 15. Jahrhunderts vom zweiten Kurfürsten der noch jungen Hohenzollerndynastie, Friedrich II., erobert, weil die aufsässigen Blankenburger immer wieder durch ruchlose Fehden und Raubrittertum negativ aufgetreten waren. Kurfürst Friedrich II. – der nicht mit unserem legendären Alten Fritz, König Friedrich II., verwechselt werden darf – hat sich in der Geschichte den Beinamen der Eiserne beziehungsweise Eisenzahn durch seine ausdauernde Festigkeit im Handeln erworben. Es gelang dem dynamischen Souverän nicht nur seine fürstliche Autorität gegenüber dem in ehrlosen Händeln und Räubereien sich ergehenden märkischen Adel durchzusetzen, sondern auch die immer selbstbewusster auftretenden brandenburgischen Städte in ihre Schranken zu weisen. Zu diesem Zweck hatte der Eiserne Friedrich in der Wiege der Mark, der Havelstadt Brandenburg, den ältesten Ritterorden Preußens, den Schwanenorden, gestiftet, mit der löblichen Absicht, die religiöse und sittliche Erziehung seiner Junker zu verbessern. 

Die Herren von Blankenburg erhalten ihren Feudalsitz von Kurfürst Friedrich II. gnädig zurück

Über einem Portal ist das verwitterte Wappen der Herren von Blankenburg zu sehen
Bild: Palace in Strzepowo (4) © Tommy Jantarek / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Das Wappen der Herren von Blankenburg

Als Erfolge der äußeren Politik des Eisernen sind der Erbvertrag mit Mecklenburg und die Rückgewinnung der Neumark, die Provinz jenseits der Oder, provincia trans Oderam, zu nennen. Überdies gelang es Eisenzahn, die von den Pommernherzögen besetzten Gebiete der Uckermark für Brandenburg zurückzubekommen. In diesem Kontext erhielten auch die Herren von Blankenburg ihr eingezogenes Lehen und ihren auf der Insel im See gelegenen Feudalsitz von Friedrich II. gnädig retour. Als einzige Bedingung mussten sie jenem jedoch eidlich versprechen, für alle Zeiten bei der Mark Brandenburg zu bleiben. Es ist uns schriftlich überliefert und auch bildlich dargestellt, dass im Mittelalter bei einem verurteilten Eidbruch oder einem absichtlich geleisteten Meineid zur abschreckenden Strafe zwei Finger der rechten Hand, der Schwurhand, des Delinquenten vom Henker abgetrennt werden konnten.

Das Schicksal der Blankenburg während des Dreißigjährigen Krieges, 1618-1648, und danach 

Im Verlauf des nicht Enden wollenden Dreißigjährigen Kriegs in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der vor allem die Mark Brandenburg als einen Hauptkriegsschauplatz in Norddeutschland durch die Schweden und die kaiserlichen Truppen verwüstete und entvölkerte, erlitt auch die stolze Blankenburg weitgehende Zerstörungen. 

Ihre großen Beschädigungen wurden seit damals nie wieder beseitigt, so dass sie seitdem nur noch als eine ansehenswerte Ruine existiert. In der Neuzeit wurden die noch erhalten gebliebenen Mauern der uckermärkischen Verteidigungsanlage saniert und gesichert. Die Jahrhunderte überdauerten der Bergfried, einzelne Teile der Burgmauer und der tiefe Burggraben, der jetzt wieder mit Wasser gefüllt ist. 

Die Ruine der Burg Blankenburg mit dem Turm und einen Rest der Außenmauern am Ufer des Sees
Bild: Blankenburg1 © Norbert Radtke / Wikipedia CC0 1.0
Die ansehnliche Ruine der Burg Blankenburg

Heute ist die Blankenburg für interessierte Besucher frei zugänglich, sodass einer weiteren Erkundung der einstmals mächtigen Burganlage nichts mehr im Wege steht.

Zu Besuch im Gasthaus Zur Königssäule

Nach unserem körperlich anstrengenden Besuch der Burgruine sollten wir uns leiblich stärken. Zu empfehlen ist das unweit gelegene alte Gasthaus Zur Königssäule in Wolfshagen, das im Jahr 2021 wieder zu neuem Leben erweckt wurde. Die rustikale Wirtschaft führt eine gutbürgerliche Küche. Für die angenehme Bequemlichkeit ist der neu renovierte Gastraum mit 30 Sitzplätzen ausgestattet. Ebenso können hier Familienfeiern wie Geburtstage oder Jubiläen veranstaltet werden. Des Weiteren bietet das Gasthaus einen Seminarraum für bis zu 50 Personen mit einer modernen technischen Ausstattung an.

Hinweis

Gasthaus Zur Königssäule, Prenzlauer Straße 33-37, 17337 Uckerland OT Wolfshagen

Burgruine Blankenburg am Westufer des Haussees gelegen, 17337 Uckerland OT Wolfshagen

Lesenswert

Schulze, Johannes: Die Mark Brandenburg. Berlin 1963, Band 3

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