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Schloss Genshagen mit seinem Landschaftspark bei Ludwigsfelde

4 Min. Lesezeit
Bild: Genshagen - Schloß mit Park - panoramio © Löwe 48 / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Schloss Genshagen mit seinem Landschaftspark bei Ludwigsfelde

Nach unserem Besuch des Schlosses Diedersdorf steigen wir in unseren Reisebus, der uns in das 15 Kilometer entfernt gelegene Schloss Genshagen bringt.
Während der Fahrt berichtet unser Autor von dem einstigen Herrenhaus des Barons von Eberstein.
Wir freuen uns, neben dem Schlosspark auch die zum Gutshof gehörende Brennerei zu sehen. 

Das in seinem heutigen Baustil des Neobarocks vor uns liegende Schloss Genshagen bei Ludwigsfelde wurde gegen Ende der 1870er Jahre auf den noch vorhandenen Rudimenten eines aus dem 18. Jahrhundert stammenden alten Ritterguts erbaut. Es diente dem im Jahr 1830 in Berlin geborenen Max Karl Joseph Theodor Baron von Eberstein als repräsentatives Gutshaus, der sich offiziell Herr auf Genshagen nannte. Eberstein ist der Name eines ursprünglich im Fränkischen beheimateten Adelsgeschlechts, deren Nachkommen noch heute leben. Max Karl Joseph war zum Zeitpunkt seines ehrenhaften Ausscheidens aus dem Militär preußischer Generalmajor, der im Verlauf des gewonnenen Kriegs gegen Österreich im 2. Garde-Landwehr-Regiment gedient und auch an der legendären Schlacht bei der böhmischen Stadt Königgrätz teilgenommen hatte. Während des darauf folgenden Kriegs gegen Frankreich in den Jahren 1870/71 war der damalige Major Eberstein an vorderster Front bei der Belagerung der an der Mosel gelegenen Festung Metz, les fortifications de Metz, dabei, bei der er sich hervortat, so dass er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet wurde. 

Ein Porträt von Ernst Albrecht von Eberstein auf einem Stich aus dem Jahr 1605
Bild: Ernst Albrecht von Eberstein 1605 © Unknown authorUnknown author / Wikipedia CC0 1.0
Der Feldmarschall Ernst Albrecht von Eberstein

Zwei weitere bekannte Familienmitglieder derer von Eberstein waren der in kursächsischen Diensten stehende Feldmarschall des von 1618-48 erfolgten Dreißigjährigen Kriegs, Ernst Albrecht von Eberstein, und der 1761 geborene Joseph Karl Theodor Baron von Eberstein, der als langjähriger Außenminister des einstigen Großherzogtums Frankfurt in Goethes (*1749) geliebter Geburtsstadt Frankfurt am Main amtierte.         

Eine Brennerei auf dem Gutshof Genshagen 

Die mehrstöckige Brennerei vom Schloss Genshagen mit Schornstein
Bild: Brennerei des Gutshofs Genshagen 01 © Derbrauni / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die einst so erfolgreiche Brennerei wurde restauriert

Auf dem Areal des im Jahr 1854 von der Familie derer von Eberstein erworbenen Gutshofs Genshagen war bereits in den 1830er Jahren eine beachtliche Destillerie errichtet worden, in der viele Liter von Brennspiritus aus märkischen Kartoffeln hergestellt wurden. Jene erfolgreiche Brennerei bekam in den kommenden Jahren nicht nur das Recht, seinen erzeugten Rohspiritus zu destillieren, sondern ihn auch weiter zu veredeln. Teile der alten Maschinerie sind erhalten und sachkundig restauriert worden. 

Schloss Genshagen in der zweiten Hälfte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Schloss Genshagen vom Park her gesehen
Bild: Schloss Genshagen4 © Lichterfelder / Wikipedia CC BY 3.0
Schloss Genshagen in seiner heutigen Form vom Park her gesehen

Der inzwischen pensionierte Bauherr des im Neobarock errichteten neuen Schlosses, Generalmajor a. D. Max von Eberstein starb im Jahr 1889 auf seinem Gut Genshagen. Seine gut betuchten Nachkommen, die das vielräumige Herrenhaus geerbt hatten, ließen es im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts umfangreich rekonstruieren und auch erweitern. In jener Zeit entstand ebenfalls das kolossale und repräsentative schmiedeeiserne Eingangsportal des herrschaftlichen Gutshofs. 

Nach dem Ende des katastrophalen II. Weltkriegs im Jahr 1945 wurde die Familie Eberstein von der neuen Administration in der sowjetischen Besatzungszone enteignet, ohne eine gelinde Entschädigungssumme für ihre beachtlichen Besitztümer zu erhalten. 

Schloss Genshagen zu DDR-Zeiten – eine Stiftung zieht in das Herrenhaus ein

In den 40 Jahren der DDR-Zeit boten die zahlreichen Zimmer und großen Säle des geräumigen Genshagener Herrenhauses eine komfortable Möglichkeit, die brandenburgische Akademie Landschaftsbau unterzubringen. Allerdings mussten deren zahlreiche Angestellte nach der erfreulichen Wiedervereinigung in den frühen 1990er Jahren der neu ins Leben gerufenen Landesagentur für Arbeit und Struktur weichen. Bereits einige Jahre danach hatte das altehrwürdige Herrenhaus einen weiteren Eigentümer erhalten. Das just gegründete Berlin-Brandenburgische Institut für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa e.V. hatte die respektable Immobilie preisgünstig erworben und deren immenser Mitarbeiterstab war gleich darauf in den imposanten Hauptsitz ihrer Genshagener Stiftung eingezogen. 

Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Beginn des 21. Jahrhunderts   

Der Blick von Innen auf die Außentür
Bild: Schloss Genshagen 12 © Derbrauni / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Auch im Inneren des Schlosses wurde viel getan

Nachdem die Stiftung Genshagen einige Jahre in ihrem neuen Refugium gearbeitet hatte, setzte deren Vorstand den bereits länger geplanten Beschluss um, ihr denkmalgeschütztes Schloss tiefgreifend zu sanieren und zu restaurieren. Selbstverständlich wurden die notwendig gewordenen Restaurierungsarbeiten des eindrucksvollen Herrenhauses unter der federführenden Leitung des brandenburgischen Landesdenkmalamts, des BLDAM, nach den strengen Kriterien der denkmalpflegerischen Standards durchgeführt.

Die mit einer Stuckverzierungen und Bildern geschmückte Decke
Bild: Schloss Genshagen 15 © Derbrauni / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Blick nach oben lohnt sich

Heute bestechen in den zahlreichen Innenräumen des Herrenhauses besonders die wieder in ihrer ursprünglichen Pracht leuchtenden Stuckarbeiten und kostbaren Deckentäfelungen die Augen der zahllosen Schlossbesucher.  

Aus dem Schlossgarten entstand ein englischer Landschaftspark

Der Blick vom Schloss in den Park
Bild: Schloss Genshagen 11 © Derbrauni / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Vom Schloss geht es in den englischen Landschaftspark

Das gegen Ende des 13. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnte Rittergut Janshagen, das einst den ursprünglichen Genshagener Dorfkern bildete, ist von einer 7,5 Hektar großen Gartenanlage umgeben. Am Ende des 18. Jahrhunderts war der vormalige Schlossgarten in eine weitläufige Grünfläche in Anlehnung an englische Landschaftsparks, English landscape parks, umgestaltet worden. Seit dem Jahr 1993 wurde der inzwischen verwilderte Park wieder nach alten Plänen neu gestaltet, so dass er heute einige botanische Raritäten aufweist. Besucher können den einladenden Landschaftspark von der rückseitigen Freitreppe des Achtung gebietenden Herrenhauses aus betreten, in dessen bekrönendem Giebelfeld über der von vier kannelierten Säulen getragenen Attika noch immer das freiherrliche Wappen derer von Eberstein zu sehen ist. Am Fuß der breiten Freitreppe finden in den warmen Monaten des Jahres nicht nur kulturelle Veranstaltungen für alle großen und kleinen Besucher des märkischen Schlosses statt.     

Ein Dreiecksgiebel mit dem Wappen derer von Eberstein
Bild: Schloss Genshagen 23 © Derbrauni / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Im Dreiecksgiebel findet sich das Wappen derer von Eberstein

Ein Café auf dem historischen Gutshofareal

Auf dem ausgedehnten Areal des historischen Schlosses hat auch ein kleines, in robuster Fachwerkbauweise errichtetes Café für bis zu 40 Gästen seinen heutigen Platz gefunden. Aus deren großen Fenstern können die angereisten Besucher eine weitläufige Sicht auf den ehemaligen Gutshof und die malerische Umgebung genießen. Darüber hinaus ist es möglich, das gediegene Gutshaus-Café für alle Variationen von Veranstaltungen einschließlich größerer Küche zu mieten. In einem modernen Annexbau des beeindruckenden Herrenhauses sind zahlreiche komfortable Fremdenzimmer vorhanden, damit auch bei einem längeren Umtrunk keinerlei Hindernisse mehr im Weg stehen.

Hinweis

Schloss Genshagen mit Schlosspark · Am Schloss 1 · 14974 Ludwigsfelde OT Genshagen
Das Schlosspark ist ganzjährig zugänglich. Kontakt: 0 33 78 – 80 59 31

Lesenswert

Bachmann, Hartmut; Hrsg.: Rauthgundis Baronin von Eberstein-Genshagen – eine Frau zwischen Tradition und Weltoffenheit. Die Geschichte einer der ältesten deutschen Familien. Berlin, 2008

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