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Schloss Boitzenburg – mehr als ein uckermärkisches Hotel

5 Min. Lesezeit
Bild: Schloß Boitzenburg, Uckermark (41888269172) © Steffen Zahn from Berlin, Germany / Wikipedia CC BY 2.0
Schloss Boitzenburg – mehr als ein uckermärkisches Hotel

Mit dem Reisebus besuchen wir die Uckermark.
Unser Autor stellt die aus dem märkischen Uradel stammende Familie von Arnim und deren Stammsitz Schloss Boitzenburg vor, in dem heute ein Hotel untergebracht ist. Vom Alten Marstall mit seiner Schaubäckerei führt ein Spaziergang zum Apollotempel im Schlosspark.
Last but not least werden Freizeitangebote vorgeschlagen.  


Das malerisch zwischen Wäldern, Feldern und Seen in der Uckermark gelegene Landstädtchen Boitzenburg weist ein prächtiges Neo-Renaissance-Schloss auf, das zu den einstmals großartigsten und bedeutendsten Herrenhäusern in Brandenburg gehörte. Schloss Boitzenburg wurde als wehrhafte Burganlage im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erstmalig genannt. Vermutlich ist sie jedoch älter. 

Historie der Familie von Arnim und von Schloss Boitzenburg

Ein gemaltes Porträt von Ludwig Achim von Arnim des Malers Peter Eduard Ströhling von 1805
Bild: Ludwig Achim von Arnim © Peter Eduard Ströhling / Wikipedia CC0 1.0
Ludwig Achim von Arnim auf einem Porträt von Peter Eduard Ströhling

Die Uckermark ist das Stammland des uradligen Geschlechts derer von Arnim, das mit Alardus de Arnem im Jahr 1204 erstmals urkundlich erwähnt wird. Ein bekannter Vertreter war der in Berlin geborene Schriftsteller der Heidelberger Romantik, Achim von Arnim, aus dem uckermärkischen Familienzweig Blankensee. Die Familie von Arnim wählte das zentral in der Uckermark befindliche Boitzenburg für viele Jahrhunderte zum Stammsitz ihres Geschlechts. Nachdem das Boitzenburger Schloss im frühen 16. Jahrhundert in den Besitz der uckermärkischen Landvögte von Arnim übergegangen war, bauten jene es sukzessiv zu einer beeindruckenden Anlage aus. Diese alte Tradition brach jedoch nach dem Ende des II. Weltkriegs abrupt ab.

Die Vorderseite von Schloss Boitzenburg. In der Mitte der älteste Turm.
Bild: Schloss Boitzenburg Vorderseite © No machine-readable author provided. Dallu~commonswiki assumed (based on copyright claims). / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Schloss Boitzenburg von vorne aus gesehen

Zu DDR Zeiten wurde die Schlossanlage als Offiziersheim der NVA genutzt, so dass sie damit für fremde Besucher tabu war. Nach dem Zusammenbruch der DDR scheiterte aber eine Rückübertragung an die Arnims in den 1990er Jahren. In den chaotischen Zeiten nach der Wende begann eine wahre Odyssee für das altehrwürdige Gebäude, bis der neue Besitzer, die Drachenfels AG aus Hamburg, das Neo-Renaissance-Schloss als Eigentum übernahm und zu einer modernen Hotelanlage ausbaute.

Die Rückseite vom Schloss Boitzenburg: eine dreistöckige Fassade mit drei Giebeln und zwei halbrunden Türmchen
Bild: Schloss Boitzenburg Rueckseite © No machine-readable author provided. Dallu~commonswiki assumed (based on copyright claims). / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Auch die Rückseite der Schlossanlage ist imposant

Schloss Boitzenburg als Hotel

Heute beherbergt das inmitten der reizvollen Landschaft rund um Boitzenburg am sogenannten Küchenteich gelegene Schloss nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten ein Hotel, so das es wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Das auch jenseits der Uckermark bekannte Schlosshotel Boitzenburg hat sich vor allem auf Gruppenreisen und Klassenfahrten spezialisiert. Besonders für Kinder und Jugendliche gibt es eine Reihe von naturnahen Freizeitaktivitäten wie Kanu fahren, Wandern, Reiterferien und Badevergnügen.

Der Blick von einem der Türmchen aus hinunter auf das Schloss Boitzenburg
Bild: Schloss Boitzenburg (2016) © PommesundCurry / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Blick von oben in den Hof

Eine besondere Attraktion sind die vom Schlosshotel aus vermittelten Rundflüge über das weite uckermärkische Land. Darüber hinaus wird das Boitzenburger Schloss auch gerne als klassisches Ambiente für gediegene Hochzeitfeierlichkeiten gebucht.

Architektur und Interieur des Boitzenburger Schlosses

Die Auffahrt zum Schloss Boitzenburg
Bild: Schloss Boitzenburg Auffahrt Parkseite SO Burg in 1275 Uckermark Brandenburg Foto Wolfgang Pehlemann DSCN8535 © Foto Wolfgang Pehlemann / Wikipedia CC BY-SA 3.0 DE
Die Auffahrt hinauf zum Schloss und zum Hofportal

Die äußere architektonische Erscheinung der imposanten Schlossanlage wird wesentlich durch den Umbau des Unterhauses in den 1880er Jahren im damaligen Stil der Neo-Renaissance bestimmt. Glücklicherweise hat sich ebenfalls der westliche Bauteil, das sogenannte Oberhaus, aus dem späten 16. Jahrhundert gut erhalten. Aus dieser Epoche stammt auch das prächtige Hofportal. 

Eine hölzerne Wendeltreppe mit Schnitzereien im Schloss Boitzenberg
Bild: Schl.Boitzenb © Manfi.B. / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Das Treppenhaus im Inneren führt in das Jagdzimmer

Im Inneren des Boitzenburger Schlosses ist das über eine hölzerne Wendeltreppe erreichbare Jagdzimmer zu erwähnen. Sein großer Kamin und seine Decke sind mit einer reichen Stuckzier versehen, die wahrscheinlich von italienischen Stuckateuren im frühen 17. Jahrhundert angefertigt wurden. Zudem wird die massive Stuckdecke durch Blüten- und Fruchtgirlanden in vier Felder unterteilt, in denen bewegte exotische Jagdszenen sowie die vier Jahreszeiten dargestellt sind. 

Der Marstall des Schlosses – heute Schokoladenmanufaktur und Kaffeerösterei zugleich

Der alte Marstall des Schlosses Boitzenburg mit einem Giebelportal
Bild: Marstall-Boitzenburg © Tnemtsoni / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Der Alte Marstall des Schlosses dient heute anderen Zwecken

Vor dem Zugang zum einstigen Schloss der von Arnims befindet sich der aus dem 18. Jahrhundert stammende Alte Marstall. In ihm sind neben einer regional bekannten Kaffeerösterei auch eine Schaubäckerei mit einer angeschlossenen Schokoladenmanufaktur untergebracht. In der Manufaktur ist es großen und kleinen Gästen möglich, den Patisseuren nicht nur bei der Arbeit über die Schultern zu schauen, sondern deren süße Kreationen auch gleich bei einer Tasse frisch gebrühten Kaffees oder einer heißen Schokolade zu verkosten.

Der Landschaftspark von Peter Joseph Lenné

Schloss Boitzenburg ist von einem bemerkenswerten Landschaftspark umgeben, den der bekannte Gartenarchitekt, der Schöpfer des Berliner Lustgartens, Peter Joseph Lenné, im englischen Gartenstil um 1840 umgestaltet hat. Zunächst erhob sich im Park ein von Carl Gotthard Langhans erbauter Gedächtnistempel für den im Jahre 1801 gestorbenen Schlossbesitzer Friedrich Wilhelm von Arnim-Boitzenburg, der als königlich preußischer Staatsminister diente. In der säulenflankierten Nische der Schauseite des Tempels stand eine von dem gefeierten Bildhauer Johann Gottfried Schadow angefertigte und heute im Schloss befindliche Marmorfigur der trauernden Witwe des verstorbenen Ministers, Freda Antoinette, geborene von Cramm.      

Der Gedächtnistempel weicht dem Apollotempel von Friedrich August Stüler

Ein kleiner, achteckiger, offener Apollotempel mit einem runden Kuppeldach im Park von Schloss Boitzenburg
Bild: Ap.Boitzb © Manfi.B. / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Apollotempel von Friedrich August Stüler

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab der Enkel Friedrich Wilhelms, Adolf-Heinrich von Arnim-Boitzenburg dem renommierten Architekten des Neuen Museums in Berlin, Friedrich August Stüler, den lukrativen Auftrag, den baufällig gewordenen Gedächtnistempel gegen einen achteckig angelegten Apollotempel, einen sogenannten Monopteros, an einem der herrlichsten Aussichtspunkte des Boitzenburger Parks zu ersetzen.   

Eine Tafel mit Informationen zum Apollotempel im Park von Schloss Boitzenberg
Bild: Apollot.Boitzb © Manfi.B. / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Hinweise zur Geschichte des Apollotempels


Freizeitaktivitäten in der Umgebung des Boitzenburger Schlosses 

Inmitten der hügeligen und an Gewässern reichen Landschaft ist das Boitzenburger Schloss an allen seinen vier Seiten von Wasser umgeben. Von Südosten bis Nordwesten erstreckt sich der von zahllosen Seerosen durchzogene Küchenteich, an dem es sich herrlich entlangflanieren lässt. Wer sich sportlich betätigen will, der kann sich an der Hotelrezeption ein Kajak ausleihen und vom Küchenteich über den Schumellensee zum Hardenbecker Haussee paddeln. Für Hausgäste gibt es eine kleine und gepflegte, von schattigen Bäumen umstandene Badestelle. 

In fußläufiger Entfernung liegen die evangelische Pfarrkirche Sankt Marien auf dem Berge, die alte Klostermühle mit ihrem Museum und ein Wirtshaus sowie die imponierenden Klosterruinen der Zisterziensernonnen, die jetzt einem Naturtheater als Kulissen dienen. Unser Buskompass-Autor wird in einem anschließenden Beitrag auf das Boitzenburger Nonnenkloster näher eingehen, das der Landvogt der Uckermark, Hans von Arnim, im 16. Jahrhundert zum Lehen erhielt.  

Ebenso liegen das Templiner und das Feldberger Seengebiet nur ein Katzensprung entfernt. Auch in die Kreisstadt Prenzlau und zu den großen Uckerseen ist es nicht weit. Die Entfernung retour nach Berlin beträgt circa 80 Kilometer mit unserem Reisebus.

Die Kulisse des Schloss Boitzenbergs von vorne links aus gesehen
Bild: Schloss Boitzenburg vorne links © AnonymousUnknown author / Wikipedia CC0 1.0
Eine Reise wert: das Schloss Boitzenburg

Hinweis

Schlosshotel Boitzenburg, Templiner Straße 13, 17268 Boitzenburger Land OT Boitzenburg  Restaurant:  (039889) 50930. Öffnungszeiten: Di-Do + So 12.00-18.00 Uhr. Sa 12.00-22.00 Uhr

Lesenswert

Bluhm, Beatrix, Detlev von Heydebrand & Hans-Joachim Stahl: Schloss Boitzenburg in der Uckermark, Geschichte und Gegenwart. Angermünde 2011

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