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Das Ribbeck-Haus – Berlins ältestes Wohnhaus

3 Min. Lesezeit
Bild: Berlin, Mitte, Breite Strasse, Ribbeck-Haus © Jörg Zägel / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Ribbeck-Haus in der Breiten Straße ist Berlins ältestes Wohnhaus

Wir flanieren von dem am Schlossplatz gelegenen Neuen Marstall zwei Minuten zu Fuß zum Ribbeck-Haus, dem einzigen erhaltenen Renaissancegebäude in Berlin.
Derweil berichtet unser Autor, dass der damalige Eigentümer des Berliner Gebäudes nichts mit dem bekannten Herrn von Ribbeck im Havelland in Theodor Fontanes berühmter Ballade zu tun hat.

Das in den ursprünglichen Grenzen der preußischen Residenz Berlin in der Breiten Straße 35 im historischen Stadtteil Alt-Cölln gelegene Ribbeck-Haus erhielt seinen Namen nicht nach dem freigiebigen Herrn Hans Georg von Ribbeck in Theodor Fontanes berühmter Ballade Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland aus dem Jahr 1889. Bereits über 250 Jahre früher, 1624, wurde für den kurfürstlichen Geheimen Kammerrat Johann Georg von Ribbeck dem Älteren ein neues stattliches Wohngebäude aus zwei älteren Häusern zusammengelegt und mit einer einheitlichen Fassade versehen. Die Lage jenes hübschen Gebäudes war gut gewählt, weil sich die Breite, vormals die Große Straße als eine vornehme Wohngegend für gut betuchte Bürger und begüterte Kaufleute entwickelt hatte. Mit ein wenig Fantasie erahnen wir, wie sich die stolzen Bürgerhäuser prachtvoll an der noblen Breiten Straße aneinander reihten und zum Berliner Stadtschloss hinführten. Deshalb verwundert es uns nicht, dass schon vier Jahre später die jüngere Schwester des regierenden Kurfürsten Georg Wilhelm, Prinzessin Anna Sophia von Brandenburg, das schöne Ribbeck-Haus in Alt-Cölln gekauft hat. Sie beauftragte im Jahr 1629/30 den damals bekannten Dresdner Architekten Balthasar Benzelt, den ersten größeren Umbau an dem repräsentativen Gebäude vorzunehmen. 

Das gemalte Porträt der Anna Sophie von Brandenburg
Bild: AnnaSophieBrandBraunLuen © Unknown authorUnknown author / Wikipedia CC0 1.0
Prinzessin Anna Sophia von Brandenburg erwarb das Ribbeck-Haus um 1629

In das Ribbeck-Haus zog die königliche Oberrechnungskammer ein

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Ribbeck-Haus nicht mehr als ein komfortables Wohnhaus genutzt, sondern in den benachbarten Alten Marstall mit einbezogen. 

Im späten 18. Jahrhundert diente der königlichen Oberrechnungskammer das geräumige Ribbeck-Haus als Quartier, für die im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts das dritte Geschoss aufgesetzt wurde. 

Aufgrund der im Verlauf des Zweiten Weltkriegs erfolgten schweren Zerstörungen musste das prächtige Renaissancegebäude in den frühen 1960er Jahren umfassend restauriert werden.

Die Architektur des Ribbeck-Hauses im Wandel der Jahrhunderte

Zwei der insgesamt vier Giebel - oder Zwerchhäuser -auf dem Ribbeck-Haus
Bild: Alter Marstall 001 © Gryffindor / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Zwei der vier nachträglich angefügten Zwerchhäuser am Ribbeck-Haus

Ursprünglich war das formvollendete Ribbeck-Haus ein zweigeschossiges, jetzt dreigeschossiges Gebäude, vor dessen geneigtem Dach vier kleine Zwerchhäuser hinzugefügt wurden. Ein Zwerchhaus ist meistens ein eingeschossiger Aufbau, das einen eigenen Giebel und ein eigenes kleines Dach besitzt. Die vier gleichmäßig an der gesamten Front des Hauses angebrachten und mit jeweils zwei Fenstern versehenen Zwerchhäuser weisen eine mit zahlreichen Ornamenten versehende Fassade mit horizontalen Gesimsen als beliebte Dekorationselemente auf. 

Letztere wurden auf ausdrücklichen Wunsch des preußischen Königs nach dem Aufsetzen des dritten Geschosses am Ribbeck-Haus in einigen Details verändert. 

Das weiß gehaltene, dreistöckige Rbbeck-Haus mit vier kleinen Giebeln
Bild: Berlin, Mitte, Breite Strasse, Ribbeck-Haus 02 © Jörg Zägel / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Gesims über dem zweiten Stockwerk zeigt die ursprüngliche Höhe des Ribbeck-Hauses an

Am kräftigen, an der gesamten Fassade verlaufenden Gesims über dem zweiten Stockwerk können wir noch heute die ursprüngliche Höhe des Gebäudes feststellen. Die Erdgeschossfenster wurden im 17. Jahrhundert mit schmiedeeisernen Gittern versehen. Zudem sind die darüber gelegenen sandsteingerahmten Rechteckfenster zu einzelnen Paaren angeordnet. Allerdings wurden die Fenster des im 19. Jahrhundert nachträglich aufgesetzten dritten Geschosses nach einem anderen Kriterium eingefügt. 

Das in das Jahr 1624 datierte und mit einer Inschrift versehene rundbogige Eingangsportal wurde 1960 durch eine authentische Kopie ersetzt. Über dem Giebel des Portals befinden sich die von lieblichen Engeln flankierten Wappen des Geheimen Kammerrats des Großen Kurfürsten und Oberhauptmanns von Spandau Johann Georg von Ribbeck dem Älteren und dessen Gemahlin Katharina von Brösicke.

Das rundbogige Eingangsportal ins Ribbeck-Haus mit Engelsverzierungen und einem Wappen
Bild: Berlin Ribbeck-Haus Breite Straße 35 Portal © Photo: Andreas Praefcke / Wikipedia CC BY 3.0
Das verzierte rundbogige Eingangsportal des Ribbeck-Hauses

Eine Berliner Chronik gibt über den Geheimen Kammerrat von Ribbeck Auskunft

Eine alte Berliner Chronik aus dem Jahre 1647 gibt an, dass am 27. Januar das Mitglied des Kollegiums des Geheimen Rats, der obersten brandenburgischen Regierungsbehörde, Johann Georg von Ribbeck der Ältere in Cölln an der Spree gestorben war. Weiterhin führt sie aus, dass jener Verstorbene am 28. März in der Gruft der Nordkapelle der Spandauer Nikolaikirche feierlich beigesetzt wurde.

Der Bund der Architekten und das Zentrum für Berlin-Studien als neue Mieter in Ribbeck-Haus 

Das Innere des namhaften Ribbeck-Hauses wurde im 19. Jahrhundert weitgehend verändert. Allerdings haben sich in einigen Räumen des Erdgeschosses mehrere spätmittelalterliche Kreuzgewölbe erhalten. Zu Zeiten der DDR waren im ehrwürdigen Ribbeck-Haus der Bund der Architekten, BDA, untergebracht. Heute beherbergt es das Zentrum für Berlin-Studien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. 


Hinweis

Ribbeck-Haus, Breite Straße 35, 10178 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten: vorübergehend geschlossen

Anfahrt: Buslinien 100, 300, N5. Haltestelle: Lustgarten, Entfernung 300 Meter

Lesenswert

Braun, Markus Sebastian (Hg.): Berlin – Der Architekturführer. München 2001

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