ArchitekturBrandenburgGeschichte

Bischof Dietrichs Ziesarer Burgkapelle Sankt Peter und Paul 

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Bild: Ziesar-Burg-3 © SchiDD / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Bischof Dietrichs Ziesarer Burgkapelle Sankt Peter und Paul

Nach unserem ausgedehnten Besuch des hübschen Storchenturms sowie des Palas, des Bergfrieds und des gotischen Gebäudes auf der Ziesarer Burg wenden wir uns dem spirituellen Herz der Bischöflichen Residenz, der schmuckreichen Kapelle Sankt Peter und Paul des baufreudigen Brandenburger Bischofs Dietrich III. aus dem märkischen Adelsgeschlecht der Stechows zu.

Wie wir bereits erfahren haben, diente die wehrhafte, im nordwestlichen Zipfel des Flämings gelegene Ziesarer Burg bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts den kunstsinnigen Fürstbischöfen des ehrwürdigen Hochstifts Brandenburg als repräsentative Residenz. Unter jenen entfaltete vor allem der aus dem havelländischen Adelsgeschlecht der Stechows stammende Fürstbischof Dietrich III. von Brandenburg im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts eine überaus rege Bautätigkeit. In deren Folge entstand die neben dem bischöflichen Palas und der breiten Tordurchfahrt gelegene und im Jahr 1470 vom Bischof Dietrich geweihte Burgkapelle Sankt Peter und Paul in Ziesar.

Die Burgkapelle links neben dem Palas der Burg Ziesar, rechts das gotische Gebäude
Bild: Ziesar-Burg-1 © SchiDD / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die Burgkapelle links neben dem Palas der Burg Ziesar, rechts das gotische Gebäude

Sie ist nicht nur eines der wenigen gut erhaltenen mittelalterlichen Beispiele dieses Typs in ganz Norddeutschland, sondern sie war zugleich auch für die weitere Entwicklung der norddeutschen Schlosskapellen bedeutend. 

Bemerkenswerte Architektur der Burgkapelle Sankt Peter und Paul 

Der Westgiebel der Burgkapelle Sankt Peter und Paul
Bild: Ziesar555Burgkap Westgiebel © Ulamm / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Der Westgiebel der Burgkapelle Sankt Peter und Paul von der Außenseite her gesehen

Die fensterlose Nordseite, beziehungsweise die schmucklose Außenseite der Kapelle Sankt Peter und Paul weist auf den eminenten Verteidigungscharakter der Ziesarer Burg im Mittelalter hin. Hingegen sind an der prunkvollen Südfassade der vor uns liegenden Schauseite des rechteckigen Kirchleins hohe gotische Spitzbogenfenster eingebaut worden, deren ursprüngliche Bleiverglasungen die Jahrhunderte überdauerten.

Die Südfassade der Burgkapelle mit ihren hohen gotischen Spitzbogenfenstern und den vier vertikal verlaufenden Zickzackbändern
Bild: Ziesar-Burgkapelle-1 © SchiDD / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Die Südfassade der Burgkapelle mit ihren hohen gotischen Spitzbogenfenstern und den vier vertikal verlaufenden Zickzackbändern

Außerdem besitzt jene sorgfältig ausgeführte Backsteinfassade überaus reiche, aus geometrischen Formen gestaltete Ornamente, die wir als Maßwerk bezeichnen. Augenfällig ist auch die rechteckige, mit feingliedrigen Maßwerkdekor gefüllte Rahmung des Bogens über dem mit einer markanten Kreuzblume abschließenden Eingangsportal der Sankt Peter- und Paulkapelle. Darüber hinaus sind die vier vertikal verlaufenden Zickzackbänder erwähnenswert. Dieses reichhaltige Dekor ordnet die bemerkenswerte Burgkapelle einer versierten Steinmetzwerkstatt, einer sogenannten Bauhütte, zu, die offenbar auch am Brandenburger Dom, an der Sankt Gotthardtkirche und am Altstädtischen Rathaus der florierenden Havelstadt sowie an die vom Magdeburger Erzbischof Ernst II. von Sachsen errichtete Schlosskapelle zu Wolmirstedt und an der Tangermünder Sankt Stephanskirche gearbeitet hat.

Reichhaltige Innengestaltung und farbenfrohe Innenausmalung der Burgkapelle 

Das Eingangsportal der Burgkapelle
Bild: Ziesar-Burgkapelle-3 © SchiDD / Wikipedia CC BY-SA 4.0
Das mit einer markanten Kreuzblume abschließende Eingangsportal der Sankt Peter- und Paulkapelle

Nachdem wir die mit allumfassendem Maßwerk versehene Eingangspforte durchschritten haben, gelangen wir in die große kreuzrippengewölbte Halle der Kapelle Sankt Peter und Paul. Es fällt dem aufmerksamen Besucher sofort auf, dass die zur äußeren Burgmauer gerichtete und daher fensterlos gebliebene Nordseite des Kapellensaals durch drei tonnengewölbte Rundbogennischen mit jeweils darüber befindlichen Emporen seitenschiffartig erweitert wurde. 

Die hohe künstlerische Qualität der gotischen Architektur – die sich in der abgestimmten Profilierung der Säulen, Halbsäulen und der Kreuzrippen ausdrücken –, wird auch durch die in seltener Vollständigkeit erhaltene, einheitliche Ausmalung aus der mittelalterlichen Erbauungszeit der Ziesarer Burgkapelle verstärkt. Sowohl die Gewölbe als auch die Quertonnen der Nischen weisen reliefhaft-plastisch gemalte Maßwerkornamente auf. Sie dürften möglicherweise, wie auch das an der Ostwand befindliche Christusmonogramm, von dem unbekannten Meister der Turmhallenmalerei des Magdeburger Doms stammen. Hervorzuheben sind zudem das farbenfrohe pflanzliche und figürliche Dekor, mit dem die einzelnen Nischenwände ausgiebig ausgemalt worden sind.       

Das als Altaraufsatz genutzte Votivrelief an der Ostwand der Burgkapelle bildet fünf Heilige ab

Der Altar der Burgkapelle mit fünf Heiligenfiguren und einem Kreuz
Bild: Burg Ziesar Kapelle 01 © I, Harald Rossa / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das als Altaraufsatz genutzte Votiv- oder Weihrelief aus massivem Kalkstein bildet fünf Heilige ab

Das in die gerade Ostwand der prächtigen Burgkapelle eingelassene und als Altaraufsatz genutzte Votiv- oder Weihrelief aus massivem Kalkstein trägt als Sockel die Stiftungsinschrift des Brandenburger Bischofs Dietrich III. von Stechow. Sie besagt, dass Fürstbischof Dietrich im Jahr 1470 die imposante Kapelle seiner Ziesarer Residenz zu Ehren der abgebildeten Heiligen erbauen ließ. Wir können die als gleichgroße Sitzfiguren dargestellten Ägidius, Paulus, Petrus, Andreas und Wenzelslaus erkennen. Hervorzuheben ist die ikonografische Darstellung des Heiligen Petrus, der nicht nur eine Krone auf seinem Haupt trägt, sondern auch den Schlüssel des Himmelreichs als Attribut in seiner Hand hält. Auffällig ist der Stil der Figuren, deren Gewänder eine Vielzahl von harten und scharfkantig gebrochenen Falten aufweisen. Die darunter befindliche Inschrift wird von den beiden Wappen des Brandenburger Domstifts und des Fürstbischofs Dietrich III. († 1472) gerahmt. Das interessante Stammwappen derer von Stechow bildet auf ihrem obligatorischen Ritterhelm eine langschwänzige Meerkatze ab, die einen Apfel in ihrer Rechten emporhält. 

Das schmale und hölzerne Triumphkreuz vom Anfang des 16. Jahrhunderts

Das über dem Altaraufsatz befindliche sowie schmale und hölzerne Triumphkreuz mit seinen edlen Proportionen datierte ebenfalls an den Beginn des 16. Jahrhunderts. Es musste leider im Jahr 1952 durch ein aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt stammendes, aber gleichwertiges Pendant anstelle des durch die Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs verschollenen Originals ersetzt werden.   

Der in die altmärkische Adelsfamilie derer von Alvensleben hinein geborene und an der berühmten Ritterakademie des Brandenburger Doms ausgebildete Kunsthistoriker Udo von Alvensleben rechnete die mittelalterliche Sankt Peter- und Paulkapelle auf der entlegenen Ziesarer Burg zu den eigentümlichsten und schönsten Innenräumen der nordischen Backsteingotik, [die] neben den berühmtesten der Christenheit bestehen [kann]. 

Hinweis

Burg Ziesar · 14793 Ziesar 

Öffnungszeiten: März-November, Di-So: 10-16 Uhr · Mai-September, Di-So: 10-17 Uhr ∙ während der Wintermonate geschlossen.

Der weitläufige Ziesarer Burghof bietet hervorragende Möglichkeiten zur Realisierung von Veranstaltungen. Demzufolge finden jährlich Feste und Märkte mit Ständen statt. Für Konzerte- und Theatervorstellungen steht eine Bühne mit einer Überdachung zur Disposition. Der Burghof bietet Platz für 1.200 bis 1.500 Stühle.

Der neben der Kapelle gelegene Palas eignet sich für Feiern jeglicher Couleur. Im Burgsaal ist es möglich, Tische und Stühle für circa 100 Gäste aufzustellen. An den Palas sind eine komplett ausgestattete Küche und behindertengerechte Toiletten angegliedert. Reservierungen werden über das Amt Ziesar, Telefon: 03 38 30/654-202, angenommen.

Lesenswert

Zit. Alvensleben, Udo von: Besuche vor dem Untergang. Adelssitze zwischen Altmark und Masuren. Hrsg. von Harald von Königswald, Frankfurt am Main & Berlin 1968

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