BerlinErholungGeschichte

Die Heckmann Höfe in Berlin Mitte

3 Min. Lesezeit
Bild: 1 IMG-20220603-WA0013 © Karin Frucht
Der eher unauffällige Eingang in die Heckmann Höfe

Wo gibt es unbekannte, interessante Ecken in Berlin-Mitte?
Wo ist es anregend, aber auch ruhig und beschaulich?
Wo kann man etwas über Berlin erfahren und findet trotzdem Muße?

Kürzlich schrieb mir meine Cousine Doris eine Nachricht, dass sie am folgenden Samstag eine Ausstellung im Werkhaus in den Heckmann Höfen habe und sich freue, wenn ich vorbei käme. Gut, dachte ich, das klingt interessant. Neben allem anderen, was eine berufstätige Dame sich an einem Samstag so vorgenommen hat – abends mit Besuch aus Stuttgart in die Komische Oper gehen, das mache ich auch noch. Wo aber sind eigentlich die Heckmann Höfe? Allgemein und gut bekannt sind die spektakulären Hackeschen Höfe am Hackeschen Markt. Wo aber sind die Heckmann Höfe? Die Hofeinfahrt, der Eingang ist an der Oranienburger Straße ganz in der Nähe der Neuen Synagoge zu finden, ist relativ unauffällig und leicht zu übersehen, das sollte man aber nicht, sondern hineingehen.

Die mit Gold verzierte Kuppel der Neuen Synagoge
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Die Neue Synagoge liegt in der Nähe der Heckmann Höfe

Berlin-Geschichte trifft auf junge kreative Gegenwart

Man findet hier eine anregende kreative Umgebung in mehreren Hinterhöfen. Hier trifft südliches Flair  auf den berühmten Berliner Charme. Alteingesessenes Handwerk und junge Kreative erschaffen hier Kunst und Mode. Ein italienisches Restaurant ist hier ebenso zu finden wie eine Bonbon-Manufaktur und ein Harry-Potter-Laden. Dieser trägt den Namen Sieben Königslande und entführt die kleinen und großen Besucher in die zauberhafte Welt des Titelhelden der berühmten sieben Romane von J.K. Rowling und den fantastischen Tierwesen.

Die Außenansicht einer Bonbonmacherei
Bild: 5 IMG-20220603-WA0012 © Karin Frucht
Die Bonbonmacherei ist nur eine der vielen Läden in den Heckmann Höfen

Die Geschichte der idyllischen Heckmann Höfe in der historischen Spandauer Vorstadt reicht bis ins Jahr 1799 zurück. Ursprünglich wurde das Hofareal für den Holzhandel genutzt. Für Pferde und Wagen wurde eine Remise gebaut, die es bis heute gibt. 1905 kaufte der Großindustrielle Heckmann die Höfe. So erhielten sie den heutigen Namen. Die Firma baute hauptsächlich Brennereianlagen. Die Höfe waren der Verwaltungssitz und hier waren Ingenieurs- und Konstruktionsbüros. Auch leitende Mitarbeiter konnten hier wohnen. 

In der DDR war dann ab 1950 das gesamte Ensemble Volkseigentum und die Höfe verfielen besonders ab dem Mauerbau 1961 in einen Dornröschenschlaf, der lange andauern sollte. Der Fall der Mauer 1989 änderte das wieder und eine neue, jetzt auch künstlerische Ära begann. Künstler – aus Ost und West – entdeckten die Höfe für sich. Handwerker, Musiker und Gastronomen belebten das historische Ensemble neu. Klubs und Modelabels zogen Anfang der 1990er Jahre ein. Nach der Rückübertragung an die Erbengemeinschaft Heckmann sanierten diese das mittlerweile denkmalgeschützte Ensemble um das Jahr 2000 vollständig.

Nach einigen Eigentümerwechseln, Hofaufteilungen und teilweisem Leerstand befinden sich die Höfe seit 2014 im Besitz eines passionierten Berliner Investors. Buntes, abwechslungsreiches Flair einer Hofgemeinschaft mit inhabergeführten Geschäften, Restaurants und einem Theater ergänzen und bereichern nun seit einigen Jahren wieder nachhaltig die Höfe und Berlins Mitte. Kreativität und buntes Leben einer Hofgemeinschaft ist zurück.

Die Skulptur eines Nilpferdes im Hof
Bild: 3 IMG-20220603-WA0002 © Karin Frucht
Die Heckmann Höfe heute. Ein Krokodil gibt es übrigens auch

Ein Treffen in den Heckmann Höfen

Meine Cousine Doris, eigentlich meine Nichte – sie ist ungefähr gleich alt wie ich – ist von Beruf Musikerin, Cellistin. Zudem näht sie wunderbare aufwendige Quilts und Bettüberwürfe  von einer Qualität, wie ich sie noch nie gesehen habe. Nachhaltig sind sie zudem, denn sie verwendet teilweise ihre alte Kleidung für die Kunstwerke. 

Quilts hängen im Werkhaus der Heckmann Höfe
Bild: 4 IMG-20220603-WA0006 © Karin Frucht
Im Werkhaus gibt es regelmäßig Ausstellungen

Ich verabredete mich mit meiner ukrainischen Bekannten Lidija an diesem Samstag. Lidija, eine Lehrerin, lebt erst seit Kurzen in Berlin, da sie aus ihrer Stadt Charkiw fliehen musste. Ich kümmere mich manchmal um sie, da sie ja hier kaum jemanden kennt und sehr sympathisch ist. Wir suchten die Heckmannhöfe auf der Karte, spazierten hin und fanden sie. Doris und ihre Textilausstellung auszumachen war auch nicht schwer. Lidija und ich staunten über diese unerwarteten Entdeckungen und Doris schenkte Lidija eine kleine, selbst genähte Tasche. 

Die Heckmann Höfe sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

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