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Der Botanische Garten in Leipzig

3 Min. Lesezeit
Bild: Victoria amazonica edit 1 © Bilby / Wikipedia CC BY 3.0
Seerosenblüte im Botanischen Garten in Leipzig

Wer kennt sie nicht – die Seerosenbilder des impressionistischen Malers Claude Monet.
Aber nichts auf der Welt ist so schön wie die Natur selbst.
Besuchen Sie den Botanischen Garten von Leipzig und bestaunen Sie Gewächshäuser, Schmetterlinge und die Victoria amazonica.

Was lange währt, wird endlich gut! So könnte man die Geschichte des Botanischen Gartens in Leipzig zusammenfassen. Aber der Reihe nach. Im 16. Jahrhundert wurde ein sogenannter Medizinalpflanzengarten angelegt. Also ein Gelände, auf dem Heilpflanzen und Kräuter wuchsen. Allerdings bereitete der Dreißigjährige Krieg der Anlage ein jähes Ende. Ein neuer botanischer Garten hatte 150 Jahre bestand, dann wurde erneut umgezogen. Dieses am Fluss Pleiße gelegene Refugium hatte zu Mitte des 19. Jahrhunderts dann bereits große Gewächshäuser, in denen Hunderte verschiedene Farnpflanzen und Tausende andere Pflanzenarten gediehen. Auch Wasserpflanzen waren damals schon ein besonderer Schwerpunkt.

Die Teller einer Riesenseerose
Bild: Victoria amazonica in Botanical garden Brno glasshouse in Brno, Brno-City District © Frettie / Wikipedia CC BY 3.0
Die Teller einer Riesenseerose (Victoria amazonica). Die Pflanzenwelt im Botanischen Garten in Leipzig bringt so einiges hervor, was Sie zum Staunen bringen wird

Der Botanische Garten in der Neuzeit

Als auch dieser historische Botanische Garten aufgegeben wurde, erblühte die neue Anlage am heutigen Standort. Auf 1200 m2 Gewächshausfläche und 30.000 m2 Drumherum wuchs das Areal an. Sortiert wurden die Pflanzen nach ihren Standorten, auf denen sie in freier Wildbahn blühen, samen und vergehen. Etwa nach ihrem Verbreitungsgebiet im Gebirge, auf salzhaltigen Untergründen oder auf kalkhaltigen Böden. Doch auch hier war der Vegetation kein Glück auf Dauer beschieden. Der Schatten des Krieges legte sich abermals auf die Natur und zerstörte bei Bombenangriffen 1943 das Hauptgebäude des botanischen Instituts. Gewächshäuser und Gärten wurden schwer beschädigt.

Ein Foto des alten Botanischen Instituts in Leipzig
Bild: PSM V50 D189 Leipzig botanical institute and garden © Unknown authorUnknown author / Wikipedia CC0 1.0
Bis 1943 stand das Botanische Institut in Leipzig. Dann kamen die Bomben

Das Schmetterlingshaus im Botanischen Garten

In den 50er Jahren kamen aus allen Landesteilen und Botanischen Gärten der DDR Pflanzenspenden, so dass es irgendwie weiterging. In den Jahren nach der Wiedervereinigung wurde nochmal reichlich saniert und weitergebaut. 1995 wurde die größte pflanzenkundliche Sammlung Sachsen eröffnet, 1996 folgte das Schmetterlingshaus, das auch heute noch besichtigt werden kann. Monarchfalter, Baumnymphen, Morphofalter und viele weitere Ihnen vielleicht unbekannte farbenprächtige Schmetterlinge umflattern einen. Das Glück der Leichtigkeit wird hier fassbar. Der Förderkreis des Botanischen Gartens der Universität Leipzig e.V. bietet von März bis Oktober für 75€ Führungen durch den Botanischen Garten und das Schmetterlingshaus an. Bis zu 20 Personen können daran teilnehmen.

Ein blauer Morphofalter mit vielen vorgetäuschten Augen auf den Schmetterlingsflügeln.
Bild: Morpho peleides (Kollar, 1850) © Michael Gäbler / Wikipedia CC BY 3.0
Ein blauer Morphofalter mit vielen vorgetäuschten Augen auf den Schmetterlingsflügeln. Dieser effektvolle Trick gegen Fressfeinde nennt sich Mimikry

Das Victoriahaus – Kleinod im Botanischen Garten in Leipzig

Die meisten der heutigen Gewächshäuser stammen übrigens aus der Zeit der Jahrtausendwende. Aber es gibt einen wahrlich historischen kleinen Prachtbau, der nicht übersehen werden sollte. Das Victoriahaus ist eine achteckige flache Pyramide aus dem Jahr 1876, benannt nach der Victoria amazonica, der Riesenseerose. Diese bildet so große schwimmende Teller aus, dass ein Kind darauf Platz nehmen könnte. Ähnliches wurde wohl im 19. Jahrhundert bereits ausprobiert. Von der Idee sollten Sie am Wasserbassin allerdings Abstand nehmen, wenn sie sich als Gäste, die extra mit dem Reisebus angereist sind, nicht unbeliebt machen wollen. Jedenfalls setzte sich dieser ans Objekt der Begierde angepasste Bautyp für eine Epoche durch. Eines der weltweit noch fünf erhaltenen Victoriahäuser steht im Botanischen Garten in Leipzig. Und wenn Sie zur richtigen Zeit anreisen, erwischen sie die schwimmende Riesenseerose vielleicht sogar in ihrer Blüte.

Das Victoriahaus im Botanischen Garten von Leipzig
Bild: Botanischer Garten der Universität Leipzig, Historisches Gewächshaus © StyvLightbringer / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Victoriahaus im Botanischen Garten von Leipzig. Hier gibt es die Riesenseerose zu bestaunen

Nach dem Garten ist vor dem Garten

Das Tolle ist, dass Sie Ihren Besuch nicht auf das Gelände des Botanischen Gartens beschränken müssen. Im angrenzenden Friedenspark gibt es einen Apothekergarten und einen Duft- und Tastgarten. Auch ein Spaziergang zur russisch orthodoxen Gedächtniskirche bietet sich an. Parken kann der Reisebus übrigens an der Linnéstraße (benannt nach dem großen Botaniker Carl von Linné) oder an der Johannisallee. Ob diese allerdings nach dem Johanniskraut benannt ist, das ja bekanntlich die Nerven beruhigen soll, können Sie ja vor Ort selbst herausfinden!

Eines der berühmten Seerosenbilder von Claude Monet (1840-1926) aus dem Jahr 1915
Bild: Claude Monet Nympheas 1915 Musee Marmottan Paris © Claude Monet artist QS:P170,Q296 / Wikipedia CC0 1.0
Abbild oder Wirklichkeit. Sie haben die Wahl. Eines der berühmten Seerosenbilder von Claude Monet (1840-1926) aus dem Jahr 1915

Hinweise

Kontakt zum Förderkreis des Botanischen Gartens der Universität Leipzig e.V. unter 0341-9736947 / Öffnungszeiten ganzjährig ab 9.00 Uhr und jahreszeitenabhängig immer bis etwa zum Sonnenuntergang.

Öffnungszeiten der Gewächshäuser:

März: Mo -Fr 13:00 – 16:00 Uhr; Sa, So, Feiertag 10:00 – 16:00 Uhr

April – September: Mo -Fr 13:00 – 18:00 Uhr; Sa, So, Feiertag 10:00 – 18:00 Uhr

Oktober: Mo -Fr 13:00 – 16:00 Uhr; Sa, So, Feiertag 10:00 – 16:00 Uhr

Lesenswert

  • Ein Bildband zu Claude Monets Seerosenbildern.
  • Ein botanisches Bestimmungsbuch wie der bekannte nach seinen Autoren benannte Schmeil-Fitschen. Er erscheint in immer wieder überarbeiteter Auflage seit 1906 im Quelle & Meyer Verlag.
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