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Von Radmachern, Burgbewohnern und Münzensammlern

3 Min. Lesezeit
Bild: Entstehendes Holzrad © Claus Ableiter / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Ein Radmacher lässt ein Holzrad entstehen.

Museen im Pfälzer Wald sind mit Liebe zum Detail eingerichtet und stehen in engem Zusammenhang zur Umgebung. Sie veranschaulichen im Ausstellungsraum, was draußen gearbeitet wurde und sonst so vor sich ging. Das Holz aus dem Wald wurde genutzt: für Kriegszüge und Befestigungen mussten Burgen erbaut und erhalten werden. In Münzen finanziert wurden Handel und Verbrechen.

Das Rad ist eine der ältesten Erfindungen. Die Urmenschen fingen mit Walzen an, die sie unter die Lasten schoben, die sie transportieren mussten. Sie verringerten die Walzen zu Scheiben und durchbohrten sie, um Achsen oder Wellen einzufügen. An den ersten Wagen wurden Scheibenräder eingesetzt, die Scheibenräder wurden zu Vollrädern, diese zu Speichenrädern… In den ersten Jahrtausenden waren alle Arten von Rädern aus Holz.

Wer sie herstellte war ein Wagner. Mitten im Pfälzer Wald steht eine Alte Wagnerei, die als Museum eingerichtet ist. In Clausen, einem Dorf etwa zehn Kilometer nordöstlich von Pirmasens, ist nach telefonischer Vereinbarung eine Besichtigung und eine Führung möglich. Das Museum zeigt wirklich schöne alte Wagenräder in mehreren Größen und Handwerksgeräte aus Holz. Bügelsägen, deren Rahmen mit einer gewundenen Schnur zu spannen war, ziehen die Blicke jedes Besuchers auf sich.

In Clausen sind eine Zimmerei und ein Hersteller von Toren und Türen aus Holz ansässig. Sogar der Sportclub nennt sich Holzland e.V.. Das ergibt Sinn, denn in Deutschland gibt es keine größere zusammenhängende Waldfläche als den Pfälzer Wald. Über das Handwerk hier muss man sich so nicht wundern. Tannen und Kiefern sowie besondere Eichen und Edelkastanien sind seit jeher in Reichweite. Die Eichen aus dem Pfälzer Wald eignen sich oft zur Gewinnung von Furnieren.

Aus der Alten Wagnerei heraus betritt man sogleich den Wanderweg, der zum Clausensee führt. An der Ruine der Heidelsburg vorbei gelangen Besucher zur Badestelle und zwei großen Campingplätzen. Überall ist der Wald dicht, man muss nicht mehrere Kilometer wandern. Will man doch, so folgt man dem Schwarzbach und erblickt gen Osten den Gipfel des Ringelsberges, der 522 Meter hoch ist. Weiter hinein im Tal gelangt man an den Hahnenberg, der 518 Meter misst.

Dann sind die Wandersfreunde bereits in der Nähe der Gemeinde Heltersberg, in der ein weiteres Museum wartet. Auch hier geht es um das Handwerk mit dem Holz. Die Gegend ward ja Holzland genannt. Im Erdgeschoss sind acht Handwerksstuben und Werkstatt-Ecken eingerichtet. Sie haben dort einen alten Webstuhl und eine Schmiede.

Weitere 600 Exponate veranschaulichen auch die Lebensbedingungen und das Brauchtum von Bauern und Handwerkern im Mittelalter und zuvor. In Vitrinen werden Funde aus römischen und keltischen Zeiten präsentiert, zum Beispiel Münzen. Neuzeitliche Banknoten belegen die weiteren finanziellen Entwicklungen ab 1948 mit der geliebten D-Mark bis hin zur Einführung des Euro. Man frage nicht, was das mit dem Brauchtum zu tun hätte: Wald- und Landwirtschaft werden weiterhin betrieben.

Das Holzland Pfälzer Wald ist ja auch das Burgenland Pfälzer Wald. Wenn sich die Besucher nach dem Bekanntmachen mit dem Handwerk Richtung Südosten wenden – am besten im Bus -, dann passieren sie mehrere Burgen und Burgruinen, bevor sie zum wichtigen Burgmuseum in Altdahn gelangen. Diese Burg stammt aus dem 11. Jahrhundert; nach Zerstörungen und Abtragungen wurde sie viele Male wieder aufgebaut und umgebaut. Sie ist die größte Burg in der Pfalz, eine typische Burg im Landstrich Wasgau. Sie steht auf drei freien Felsen. Die unterirdischen Teile, Treppen, Gänge und Kammern, wurden in den Fels gehauen. Zu sehen sind Urkunden und weitere Dokumente aus der Vergangenheit sowie gründliche Erläuterungen. Waffen und Ritterrüstungen geben ein lebhaftes Zeugnis vom kriegerischen, Stoffe und weitere Dekorationen vom friedlichen Leben.

Hinweise

  • Alte Wagnerei  66978 Clausen, Talstraße 5, Tel. 06333 2269
  • Heimatmuseum 67716 Heltersberg, Schulstraße 2, Tel. 06333 65338 
  • Burgengruppe Altdahn, 66994 Dahn, Tel. 06391 993543
  • Gastwirtschaft nahe der Wagnerei:
  • Bäckerei Hartmuth  Hauptstraße 74  66978 Clausen
  • Pizzeria di Milano  Hauptstraße 92  66978 Clausen
  • nahe des Museums in Heltersberg:
  • Konditorei Käfer  Hauptstraße 42  67716 Heltersberg
  • Lamperto Vincenzo Pizzeria  Schillerring 11  67716 Heltersberg
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