Baden-WürttembergTheater

TÜBINGER THEATER – VOM MUSEUM IN DIE STUHLFABRIK

2 Min. Lesezeit
Das Tübinger Theater - vom Museum in die Stuhlfabrik Foto: © LTT/D. Duddeck

Die alte Universitätsstadt Tübingen hat vielfältiges Theater zu bieten. Für einen Besuch des Tübinger Sommertheaters empfiehlt sich die Anreise mit einem Bus. Denn Theaternächte in dem bezaubernden Ambiente können lang sein.

Aus einer freien Theatergruppe entstand 1945 das Städtische Schauspielhaus Tübingen. 1947 schließen sich Tübingen und das benachbarte Reutlingen zu einem Zweckverband Städtetheater zusammen. 1950 wurde das Landestheater durch das damalige Bundesland Württemberg-Hohenzollern gegründet, daher der Name Landestheater Württemberg-Hohenzollern, LTT.  Der Spiel- und Abstecherbetrieb sollte auch das Umland mit Theater versorgen und besteht bis heute. Sitz des Theaters war damals ein Museum, das allerdings auch als Kino benutzt wurde. Der begrenzte Platz und Sicherheitsmängel machten einen Umzug unvermeidlich. 1975 zieht das LTT in die leerstehende Stuhlfabrik Schäfer. 1978 wird mit der deutschen Erstaufführung von „Mensch Meier“ von Franz Xaver Kroetz die Werkstatt und ein Jahr später mit Schillers „Die Räuber“ der Saal eröffnet. Nur fünf Jahre später, 1984, wird mit dem Jungen LTT eine eigenständige Kinder- und Jugendtheatersparte gegründet.

Weil das LTT ein Landestheater ist, gibt es mehr als ein Viertel seiner jährlich mehr als 900 Vorstellungen in ganz Baden-Württemberg, übrigens auch in den angrenzenden Bundesländern und in der Schweiz und Österreich.

Die alte Universitätsstadt hat noch mehr zu bieten. Dutzende von Kneipen, Erinnerungen an Hölderlin, Mörike und andere große Dichter – kaum eine andere Stadt verströmt soviel historischen Charme. Auf 90 000 Einwohner kommen  ca. 25 000 Studierende, die das Leben in der Stadt maßgeblich prägen. Direkt am Neckar steht der Hölderlinturm, in dem der Dichter von 1807 bis 1843 lebte. Heute wird der Turm für kleinere kulturelle Veranstaltungen genutzt und nur wenige Meter entfernt befindet sich das Zimmertheater Tübingen. Es ist das kleinste deutsche Stadttheater. Im Gewölbe hat es 66 Plätze, im Zimmer 39 und im Foyer 50. Wenn man das mit den Plätzen im LTT vergleicht: 370 Plätze im Saal, 127 in der Werkstatt ist das ein beträchtlicher Unterschied. Ganz zu schweigen von großen Theatern, die 1000 Plätze haben, das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg hat 1174. Das ist allerdings mit das größte Haus im deutschsprachigen Theaterraum. Durchschnittlich hat ein Theater 600 bis 800 Sitzplätze, die es allabendlich zu füllen gilt.

1958 fand das freie Theater „Tespiskarren“ in der Trapp’schen Apotheke, in den ehemaligen Laborräumen mit der Eröffnungspremiere von „Blick zurück im Zorn“ von John Osborne seine feste Spielstätte. Den Gründern folgten Theaterleitungen nach, deren künstlerische Arbeit der kleinen Bühne mit den beiden direkt am Neckarufer gelegenen Theaterräumen hervorragenden Ruf verschafften. Immer wieder fand das Tübinger Zimmertheater überregionale Beachtung, bekannte Theaterleute wirkten hier und Theaterkarrieren nahmen von der Bursagasse aus ihren Lauf. Salvatore Poddine zum Beispiel wurde vom Schwäbischen Tagblatt 1972 bescheinigt, dass er es verstanden habe, mit minimalem finanziellen Aufwand das lebendigste und extravaganteste Kleintheater zu machen.  George Tabori arbeitete hier 1972. Helfried Foron feierte große Erfolge mit 94% Platzausnutzung, so konnten hier erstmals Gagen von 1000 Mark bezahlt werden – bis dahin lag die Gagenspitze bei 720 Mark. Das Zimmertheater gastierte mit dem bunten Multimedia Spektakel „Varieté, Varieté“ von Oskar Schlemmer in ganz Europa.

Das Tübinger Zimmertheater wurde im September 2018 um das Institut für theatrale Zukunftsforschung (ITZ) erweitert. Es war eins der beiden Theater, die im März 2021 als Modellprojekt inzidenzunabhängig für drei Wochen während der Corona-Pandemie vor Zuschauern spielten. 

Abwechselnd mit dem Theater Lindenhof und dem LTT richtet das Zimmertheater seit 1986 eine Freilichttheaterinszenierung aus. Im Sommertheater werden Orte in ganz Tübingen mit Leben erfüllt. 

Ganz wunderbar war zum Beispiel das Hölderlin-Spektakel auf der Neckarinsel vom Theater Lindenhof. „Am Tage, da die schöne Welt für uns begann – Mit Hölderlin unterwegs“ ist für 2021 geplant. Hier können sich die Zuschauer im Freien bei einem abendlich-nächtlichen Spaziergang den Dichter erobern!

Links

www.landestheater-tuebingen.de

www.zimmertheater-tuebingen.de

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