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Das Grassi Museum – Kunstgewerbe und Design im Herzen von Leipzig

5 Min. Lesezeit
Bild: Grassimuseum Leipzig © Appaloosa / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Das Grassi Museum Leipzig. 1929 wurde das aus rotem Porphyr gebaute Gebäude eingeweiht

Schmuck. Vasen. Edles Porzellan. Eine Entdeckungstour durch das Museum für Kunstgeschichte und Design.
Als Teil des Grassi Museums lassen sich hier Objekte aus der Antike bis zum Jugendstil, aus der Zeit des Bauhauses und des Industriedesigns bewundern.
Ein Fest für die Augen!

Eigentlich vereint der Bau im Art Déco Stil aus den 20er Jahren drei Museen in einem. Neben dem Museum für angewandte Kunst beherbergt es auch das Musikinstrumentenmuseum und das Museum für Völkerkunde. In einer Stadt wie Leipzig spielen Design und Kunst eine wichtige Rolle. Verwiesen sei auf den Kunstleuchtturm Alte Baumwollspinnerei oder die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Es liegt also nahe, wenn wir uns bei unserem Besuch mit dem Reisebus dem Museum für Kunstgewerbe und Design widmen. 

Ein medaillonartiges Relief des Mäzens Franz Dominic Grassi, nach dem das Museum benannt wurde
Bild: Franz Dominic Grassi Relief © Prolineserver / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Signore Franz Dominic Grassi (1801-1880). Namenspatron des Grassi Museums und wohlhabender Mäzen der Stadt Leipzig

Das Grassi Museum auf dem Gelände des Alten Johannisfriedhof

Die Namensgebung des zu Zeiten der Weimarer Republik erbauten Museumsbaus ist eine interessante Geschichte. Franz Dominic Grassi (1801-1880) war Sohn einer italienischen Einwandererfamilie und ist durch Spekulationsgeschäfte reich geworden. Weltmännisch war der Händler für Südfrüchte und russische Produkte, weil er, bevor er in Leipzig mehr und mehr Fuß fasste, viel von eben dieser Welt bereist hatte. Da er selbst kinderlos geblieben war, vererbte er einen Großteil seines Vermögens der Stadt Leipzig. Und diese investierte damit kräftig in Parkanlagen, Denkmäler und Neubauten. So wurde auch der Vorläufer des heutigen Grassi Museums, das Alte Grassi Museum, finanziert. Grassi selbst, und daher ist es für unseren Besuch interessant, wurde auf dem Alten Johannisfriedhof beerdigt und der liegt unmittelbar hinter dem Grassi Museum. Seine Größe ist sehr überschaubar und er ist heute als unter Denkmalschutz stehende Parkanlage ein kleiner Geheimtipp. Vor oder nach dem Museumsbesuch sollten Sie also unbedingt über den ehemaligen Friedhof schlendern, auf dem 1894 die Gebeine des 1750 beerdigten Johann Sebastian Bach gefunden wurden. Seitdem ruhen Sie in der Thomaskirche in der Leipziger Innenstadt.

Ein Aquarell des Alten Johannisfriedhofs, der 1943 bei einem Bombenangriff teilweise zerstört wurde
Bild: Alter Johannisfriedhof Leipzig (Aquarell) © Unknown authorUnknown author / Wikipedia CC0 1.0
Die Johanneskirche auf dem ehemaligen Johannisfriedhof wurde 1943 bei einem Bombenangriff teilweise zerstört und 1963 ganz abgerissen. Der Friedhof selbst ist heute eine kleine Parkanlage direkt am Grassi Museum

Das Grassi Museum präsentiert sich stolz und aufgeräumt

Im Grassi Museum selbst, dessen Besuch sich schon allein wegen seiner Architektur und Präsentationsräume lohnt, gibt es viel zu entdecken. Von der Antike bis zur Moderne, vom Orient bis zum Okzident. Aus nah und fern ist hier thematisch gruppiert, was das Herz von Besucherinnen und Besuchern höher schlagen lässt. Es gibt Schmuck zu sehen, Vasen, Gläser, verzierte Karaffen und Keramik. Aber auch Stühle aus der Zeit des Bauhauses, wie der berühmte Barcelona-Sessel von Mies van der Rohe oder einzigartige Lampen. Leuchten, bei deren Anblick man sich fast schämt, je wieder ein normales Möbelhaus zu betreten. Nicht umsonst gehört das Grassi Museum zu den führenden Museen für Gestaltung in Europa. Fast eine viertel Million Exponate besitzt das Museum für Angewandte Kunst, welche in Wechselausstellungen nach und nach den staunenden Besuchern vorgelegt und vorgestellt werden. Begleitet aber immer von einer Dauerausstellung zu Jugendstil, Bauhaus und Industriedesign. So wundert es nicht, dass hier die eine oder der andere Kunst- oder Designstudierende Inspiration holt und sich durch die Räume des Museums bewegt. Bei der jährlich stattfindenden Grassi-Messe können Sie hier Entwürfe junger Designerinnen und Kunsthandwerker bestaunen. Das ganze Grassi Museum ist übrigens barrierefrei. Der Eingang ist ebenerdig, es gibt Aufzüge und barrierefrei zugängliche Sanitäranlagen. Für sehbehinderte Besucherinnen und Besucher gibt es einen speziellen Audioguide, mit dem über Kopfhörer das Museum selbst, dessen Geschichte sowie zahlreiche ausgewählte Exponate beschrieben werden.

Die Pfeilerhalle im Museum für Kunstgewerbe und Design
Bild: Grassimuseum Pfeilerhalle © Martin Geisler at German Wikipedia / Wikipedia CC BY-SA 3.0 DE
Die Pfeilerhalle im Museum für Kunstgewerbe und Design. Der Stolz des Grassi Museums in Leipzig

Das Grassi Museum lädt zum Verweilen ein

In Gegenwart des aus purpurfarbenem Vulkanstein (Porphyr) gebauten Museums lässt es sich zur Ruhe kommen und das Essen genießen. Im Sommer wird das von der hauseigenen Gastronomie auch im Freisitz serviert. Das Grassi Museum bietet leckere Gerichte zu günstigen Preisen um die 10€. Ob Kürbissuppe mit Steinofenbaguette und Blattsalat, ob überbackener Landkäse mit Wintersalat oder ob in Knoblauch marinierte Pesto mit geriebenem Parmesan, auch der alte Signore Grassi hätte hier sicherlich gerne Platz genommen. 

Der Blick in den Innenhof des Grassi Museums
Bild: Grassimuseum-zweiterInnenhof © Foto: Leander Seige, 2005, GNU FDL / Wikipedia CC BY-SA 3.0
Blick in den Innenhof des Grassi Museums

Das Alte Grassi Museum

Dem heutigen Grassi Museum geht ein Vorläufer voraus, der nicht weit entfernt liegt. Das Alte Grassi Museum am Wilhelm-Leuschner-Platz. Dort gelangen Sie über einen kleinen Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt hin. Entlang von Gewandhaus, Opernhaus, Nikolaikirche, Universität und Zeitgeschichtlichem Forum Leipzig brauchen Sie dafür keine Viertelstunde. Da die Leipziger Innenstadt völlig eben ist, ist dies auch barrierefrei gut möglich. Das Alte Grassimuseum gilt zwar als das älteste Museumsgebäude Leipzigs, aber es beherbergt heute die Leipziger Stadtbibliothek. Fertig gestellt wurde es 1897 nach Entwürfen des Leipziger Architekten Hugo Licht, der sich danach dem Neuen Rathaus in Leipzig annahm. Gebaut wurde das Neue Rathaus im Jahr 1905. Sie können sich sicher sein, dass die Stadtoberen diesen repräsentativen Auftrag nicht vergeben hätten, wenn sie nicht das Alte Grassi Museum beeindruckt hätte. Allein das sollte auch Sie überzeugen, einen Blick darauf zu werfen. Finanziert wurde der Bau im Stil des Historismus natürlich vom Mäzen der Stadt Leipzig Franz Dominic Grassi.

Eine schwarz-weiß Fotografie des Alten Grassi Museums, das heute die Leipziger Stadtbibliothek beheimatet
Bild: Bb045251 © https://www.wikidata.org/wiki/Q95195 / Wikipedia CC0 1.0
Das Alte Grassi Museum. Heute Leipziger Stadtbibliothek. Hier eine Fotografie aus den Anfangsjahren

Einmal Leipzig, wieder Leipzig

Sie interessieren sich doch mehr für Tipis, indische Lehmhäuser und Jurten? Oder für Harfen, Klaviere und Instrumente aus der Zeit von Johann Sebastian Bach? Nichts leichter als das. Es sei nochmal daran erinnert, dass sich die Museen für Völkerkunde und Musikinstrumentenbau auch im Gebäude des Grassi Museums befinden und sich über ihren Besuch freuen. Alles auf einmal zu besichtigen wäre sicherlich eine reichliche Überforderung der Sinne. Aber einer erneuten Busreise nach Leipzig steht ja nichts im Wege. 2024 feiert das Grassi Museum 150-jähriges Bestehen.

Hinweise

  • Gruppen ab 8 Personen haben einen reduzierten Eintrittspreis von 6€. Bis einschließlich 18 Jahre ist der Eintritt frei. Das Museum hat Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10-18 Uhr geöffnet
  • Für Gruppenführungen durch die Dauerausstellung oder durch die jeweiligen Sonderausstellungen fragen Sie bitte unter 0341-2229100 oder per E-Mail unter grassimuseum@leipzig.de nach. Sie dauern i.d.R. 1,5h und kosten 75€
  • Das Café erreichen Sie unter 0341-2229330 oder unter info@literaturcafe-leipzig.de
  • Einen Parkplatz für den Reisebus finden Sie in der Talstraße direkt südlich vom Grassi Museum oder auch beim Wilhelm-Leuschner-Platz beim Alten Grassi Museum

Lesenswert

Es gibt tolle Ausstellungskataloge und Bücher zu Kunsthandwerk und Design. Am besten gehen Sie mal in eine etwas größere Buchhandlung vor Ort und blättern dort herum. Ein gut illustrierter Band macht bei diesem Thema besonders Freude!

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